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Montag, 22. Juni 2009

iPhone vernachlässigt

Ahrensburg (dpo) - Ahrensburg, der sonst so friedliche Vorort Hamburgs, hat noch nicht ganz zur Normalität zurückgefunden, nachdem bereits vorgestern eine Anwohnerin ihr iPhone für mehr als drei Stunden unbeaufsichtigt in ihrem in der prallen Sonne abgestellten Auto liegen gelassen hatte.
"Wir wurden von besorgten Passanten alarmiert, die bemerkt hatten, dass das iPhone in einem vor einem Einkaufszentrum geparkten Fahrzeug lag. Gegen 4 Uhr nachmittags kamen wir am Tatort an und schritten sofort ein, um das Gerät zu retten", erklärte Kommissar Wedekind von der Polizeidienststelle Ahrensburg. "Den Bändern der Sicherheitskameras konnten wir später entnehmen, dass das iPhone bereits seit 1 Uhr in dem PKW lag - bei verriegelten Türen und geschlossenen Fenstern."
Laut Polizeibericht hätten zwei Beamte gegen 4:07 Uhr das Fahrzeug aufgebrochen und das iPhone mit dem Gesicht nach unten auf dem Armaturenbrett vorgefunden. Zunächst habe es keine Lebenszeichen erkennen lassen, doch nach einigen Sekunden sei es den Polizisten gelungen, das iPhone so weit zu wecken, dass es auf einfache Touch-Display-Kommandos reagierte.
Das iPhone wurde anschließend zu genaueren Untersuchungen sofort in ein nahegelegenes Apple-Servicecenter gebracht. Wie durch ein Wunder waren keine Schäden an den Speicherkapazitäten, am Screen oder an den Drahtlosschnittstellen festzustellen.
Anwohner aus der gesamten Nachbarschaft reagierten auf die Beinahe-Tragödie mit noch nie da gewesener Emotionalität. In Leserbriefen und örtlichen Radioshows wurde eine strenge Verfolgung der Besitzerin des iPhones gefordert. Viele boten an, sich um das iPhone zu kümmern und noch mehr spendeten dem vernachlässigten Gerät Gratisdownloads, Klingeltöne und MP3s.
Viele Ahrensburger zeigten sich entsetzt, dass so etwas in ihrer sonst so materiell geprägten Umgebung geschehen konnte. "Was muss man für ein Mensch sein, um ein derart wertvolles, wertvolles Ding so zu vernachlässigen?" fragte beispielsweise Benjamin Klein, ein Steueranwalt und besorgter Ahrensburger. "Der Besitz eines iPhones bedeutet Verantwortung rund um die Uhr."
"Das iPhone war noch kein Jahr alt", erklärt Janine Mankewitz, eine weitere entsetzte Bürgerin. "Wenn jemand mit einem iPhone gesegnet ist, zumal mit einem der neueren Modelle, wie diesem hier, dann sollte er es nie aus den Augen lassen." - "An einem heißen Tag können in einem geparkten Auto Temperaturen von fast 70 Grad herrschen", fügte sie abschließend hinzu, nachdem sie es auf ihrem iPhone nachgeschlagen hatte.
Als die Besitzerin des iPhones endlich an ihrem Fahrzeug ankam und ihr klar wurde, was sie getan hatte, begann sie Zeugenaussagen zufolge hysterisch zu weinen und in der Fötusstellung schmerzerfüllt nach ihrem iPhone zu rufen. Sie wurde in Polizeigewahrsam genommen und wird sich wegen schwerer Vernachlässigung vor Gericht verantworten müssen. Ihrem Anwalt zufolge zeige sie Reue und betone, dass es ihr erstes iPhone sei.
Einer Nachbarin der Rabenbesitzerin erschien das zynisch. Sie sagte: "Mein Mann und ich versuchen schon seit Monaten, ein iPhone zu bekommen, aber bis heute hat es nicht geklappt. Wenn wir eines bekämen, dann würden wir uns wirklich darum kümmern. Jedes iPhone ist ein Geschenk Gottes."
"iPhone-Misshandlungen sind weiter verbreitet, als man denkt", erklärte Apple-Mitarbeiter Jan Heimlich, in dessen Obhut sich das iPhone derzeit befindet. "iPhones werden oft leichtsinnig abgelegt oder nicht einmal mit dem Nötigsten, wie einer schicken Schutzhülle, ausgestattet. Ich habe sogar von Fällen gehört, in denen iPhones fallen gelassen wurden."
Die Behörden gaben kurz vor Redaktionsschluss noch bekannt, dass der Säugling, der ebenfalls im Fahrzeug zurückgelassen wurde, zum fraglichen Zeitpunkt glücklicherweise bewusstlos war. Andernfalls hätte er das iPhone womöglich beschädigen können."
ssi; Quelle: The Onion; Foto: Das heldenhafte iPhone erhielt nach seiner Rettung viele neue Apps.



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