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Dienstag, 1. Juni 2010

Köhler fehlt für Südafrika: Ein sportlicher Nachruf

Berlin (dpo) - Bitter für Jogi Löw! Nur einen Tag nach dem Ausfall von Heiko Westermann muss der Bundestrainer für die WM in Südafrika auf einen weiteren Spieler verzichten: Horst Köhler verkündete gestern überraschend seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft. "Horst hätte bei der WM eine wesentliche Rolle für unser Team gespielt. Seine väterliche Art wäre vor allem für die jungen Spieler eine große Hilfe gewesen", meinte Löw gegenüber der Sport-Bild der Frau.
Galt Franz Beckenbauer als der "Kaiser", nannte man Köhler in Fußballerkreisen nur den "Bundespräsidenten". Sportjournalisten schwärmten häufig von den langen Bällen und rauschenden Festen des Mannes, der sich immer für Afrika einsetzte.
Gegenspieler irritierte der Superstar immer wieder mit ungewöhnlichen Einwürfen. Seine Position füllte Köhler manchmal erstaunlich offensiv aus, manchmal ließ er das Spiel aber auch einfach an sich vorbei laufen.

Während seiner aktiven Laufbahn spielte Köhler zunächst als Wirtschaftslibero beim Sparkassenverein und musste sich das politische Spielgeschehen häufig von der Weltbank aus ansehen. Dann wechselte er zum FC Union und wurde zum hochgeschätzten Abräumer in der Mitte. Obwohl er als fairer Spieler galt, war der Mann mit dem Staubsaugervertreterlächeln zuletzt dennoch häufig gelb-schwarz gefährdet.
In seiner Zeit im Nationaldress kam es zu mehreren erfolgreichen Kriegseinsätzen, aber der Routinier war mit seiner Leistung und der des deutschen Teams nur selten zufrieden. Dabei zählen "Die Welt ist rund und meine Amtszeit dauert fünf Jahre" oder "Nach dem militärischen Einsatz zur Wahrung unserer Interessen ist vor dem militärischen Einsatz zur Wahrung unserer Interessen" zu den bekanntesten Aussprüchen dieses Verkünders einfacher Weisheiten.
Nach dem Rücktritt Horst Köhlers will Joachim Löw zunächst keinen Spieler für diese Position nachnominieren. Köhlers Rolle als Mann an der Sturmspitze des Staates soll der Bremer Jens Böhrnsen übernehmen. Der gelernte Bürgerrechtsverteidiger ist seit 2005 für den Stadtstaat aktiv und konnte bei den Bremern bereits zweimal die Bürgermeisterschaft feiern.
lnk; Foto: Da war die Welt noch in Ordnung: Köhler nach seiner Berufung (200)4.



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