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Montag, 23. August 2010

"Energiepolitischer Appell" für Atomkraft und Kohleenergie: Das sagen die Unterzeichner

Berlin (dpo) - Am Samstag haben 40 Vertreter aus Wirtschaft, Kultur und Sport eine Anzeige in mehreren großen deutschen Tageszeitungen geschaltet, in der sie einen Verzicht der Brennelementesteuer, eine Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken und einen Ausbau der Kohleenergie forderten. Davon, dass die übrigen 81.757.560 deutschen Vertreter aus Wirtschaft, Kultur und Sport den "Energiepolitischen Appell" nicht unterschrieben haben, lassen sie sich zu Recht nicht beirren.
Der Postillon, in dessen Redaktion ausschließlich unfair gehandelter Strom aus nuklearer Dynamitfischerei eingespeist wird, hat einige der wichtigsten Vertreter der 40 zu ihrer Motivation für diesen Schritt befragt:


Jürgen Großmann (RWE), Hans-Peter Villis (EnBW), Tuomo Hatakka (Vattenfall), Johannes Teyssen (E.ON): "Natürlich haben wir den Appell nicht aus Eigennutz unterzeichnet, sondern weil uns am Allgemeinwohl gelegen ist. Wir sehen Atomenergie als eine wichtige Brückentechnologie an - allerdings nur, wenn es sich um eine unendlich lange Brücke handelt und wir als einzige die Maut abkassieren dürfen."
Karte: Die vier Besatzungsmächte.

Josef Ackermann (Deutsche Bank): "Mit Kohle kenne ich mich ja bekanntlich aus. Außerdem missfällt es mir, wenn sich die Regierung immer wieder von einer Mehrheit im Volk unter Druck setzen lässt. Wo kommen wir denn hin, wenn Politiker sich vom Volk diktieren lassen, was sie tun und lassen sollen? Deshalb muss unser Appell berücksichtigt werden. Immerhin sind wir es, die in einer Demokratie bestimmen sollten, wo es langgeht."
Foto: WEF.

Oliver Bierhoff (DFB, Garnier Fructis Style): "Nach 26 Semestern Wirtschaftswissenschaften weiß ich, dass moderner Fußball ohne Atom- und Kohleenergie, aber auch ohne Nutella absolut undenkbar ist. Wir bei der Nationalmannschaft sind deswegen schon vor Jahren umgestiegen, denn nur so kann man 90 Minuten voll Power geben. Dass mein Vater Rolf früher Vorstandsmitglied bei RWE war, hat damit überhaupt nichts zu tun."
Foto: Tomukas, cc-3.0.

Wolfgang Clement (RWE, INSM): "Atom- und Kohleenergie sind mein Leben. Ich selbst beispielsweise bestehe größtenteils aus Atomen, während in meiner Brust anstelle eines Herzens ein glühender Klumpen Kohle schlägt. Außerdem macht es mir einfach Spaß, meiner alten Partei, die den Atomausstieg damals mitbeschlossen hat, wo es geht zu schaden."

Friedrich Merz (BASF, INSM): "Ich habe überhaupt keine Ahnung, worum es hier eigentlich geht. Ich habe nur deshalb unterschrieben, weil ich alles unterschreibe, was mir der Ackermann, der Clement und die Leute vom BDI vor die Nase legen. Soll ich Ihnen ein Exemplar meines Buches signieren?"
Foto: Harald Dettenborn, cc-3.0.

Der Teufel (KKK, RWE, Vattenfall, E.on, EnBW, INSM, Deutsche Bank): "Als Fürst der Finsternis unterstütze ich die unterschiedlichsten Projekte. Dieses liegt mir jedoch besonders am Herzen, weil Kohle so schön heiß ist und Uran so wundervoll strahlt. Außerdem mag ich, was Kohle mit der Umwelt anstellt ... und der Gedanke an einen SuperGAU macht mich geradezu scharf. Ich habe übrigens mit einem Pseudonym unterschrieben. Raten Sie mal mit welchem."

Rüdiger Grube (DB): "Die Deutsche Bahn will selbst gerne wieder an alte Glanzzeiten anknüpfen und auf kohlebetriebene Lokomotiven umsteigen. Daran, dass unsere Klimaanlagen ausgefallen sind, waren übrigens die regenerativen Energien schuld. Atomenergie wiederum halte ich für zuverlässig und sicher. Wir bei der Bahn wissen da, wovon wir sprechen."
Foto: Bigbug21, cc-3.0.

Die Frau an sich (Emma, FHM): "Ich habe den Appell als einzige nicht unterschrieben - allerdings nicht, weil Frauen prinzipiell etwas gegen Atomstrom hätten, sondern weil es in deutschen Führungspositionen einfach keine Frauen gibt, die sich dafür aussprechen könnten."

Übrigens: Für den Fall, dass die Bundesregierung nicht auf ihren Appell hört, haben die Unterzeichner angekündigt, eine 40 Meter lange Pro-Atom-Menschenkette durch ganz Deutschland oder wenigstens um ein Windrad herum zu bilden.
ssi; Foto (Heinz-Josef Lücking, cc-3.0): Im Iran der nackte Horror, in Deutschland die Zukunft: Atomenergie.