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Sonntag, 9. Januar 2011

Das Wort zum Sonntag (104)

Es kommentiert der kleine Timmy (9)*:
Endlich einer, der auch an uns denkt! Als Hartz-IV-Kind hatte ich lange Zeit nicht nur Angst vor dem schwarzen Mann unter der Schublade, in der ich schlafe, sondern auch vor der Zukunft. Doch seit der schwarze Mann von einem Monster gefressen wurde und ich gehört habe, dass Guido Westerwelle bei seiner Rede auf dem Dreikönigstreffen "Mut zur Zukunft" gefordert hat, sind diese Ängste besiegt. Ich freue mich darauf, mit 14 die Schule zu beenden und endlich arbeitslos zu sein wie meine Eltern.
Auch bin ich froh darüber, dass Herr Westerwelle endlich etwas gegen den Alkoholismus und das Gerauche meiner Eltern unternommen hat, indem bei der Neuberechnung der Regelsätze Alkohol und Tabak nicht mehr berücksichtigt wurden. Jetzt sind Papa und Mama gezwungen, stattdessen Geld zu verrauchen und zu versaufen, das nicht für Alkohol und Tabak gedacht ist – zum Beispiel mein Taschengeld.
Am schönsten aber fand ich, als Onkel Guido uns Hartz-IV-Kindern zugerufen hat "Strengt euch an, kommt raus, steigt auf!". Endlich sagt uns das mal einer! Wir hätten uns also einfach nur Herrn Westerwelle zum Vorbild nehmen müssen, der als Kind von Rechtsanwälten aus ureigener Anstrengung zum Rechtsanwalt aufgestiegen ist. Hätte uns das nur schon früher einer zugerufen, dann gäbe es heute keine Armut mehr und wir könnten vor lauter Zukunftsmut schon längst in einer Zeit leben, in der eine FDP gar nicht mehr nötig ist.*an dieser Stelle kommentieren ab sofort wöchentlich wechselnd Prominente aus Politik, Wirtschaft, Kultur und organisiertem Verbrechen.
ssi; Foto: Luis Miguel Bugallo Sánchez, CC3.0; Cartoon: Claude Müller Salafia

Alle Wörter zum Sonntag auf einen Blick nach dem Klick:
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