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Sonntag, 20. März 2011

Das Wort zum Sonntag (114)

Es kommentiert Mark Sanders (Waffenexporteur, Waffenlobbyist)*:
Meine Damen und Herren, es flutscht, wie man so schön sagt. Deutschland konnte zwischen 2006 und 2010 den Umsatz aus Waffenexporten um sagenhafte 96 Prozent steigern. Das liegt auch daran, dass wir als Handelspartner nicht nur bei unseren westlichen Verbündeten, sondern einfach überall beliebt sind. Erst vor wenigen Tagen etwa lobte der große libysche Revolutionsführer Muamar al-Gaddafi die Deutschen:
"Die Deutschen haben uns gegenüber eine sehr gute Position eingenommen, ganz anders als viele wichtige Länder im Westen", sagte Gaddafi (...). Er traue dem Westen nicht mehr. Als Konsequenz gingen Ölaufträge künftig an Russland, Indien und China: "Der Westen ist zu vergessen." Er könne sich aber vorstellen, dass Deutschland möglicherweise weiter Aufträge bekomme.
Deutschland hat in Libyen folglich nichts zu verlieren. Gewinnt Gaddafi, der nach dieser Schlacht sicherlich neue deutsche Waffen braucht, so sind wir die einzigen im Westen, mit denen er noch handelt. Gewinnt der Westen, der nach dieser Schlacht sicherlich neue deutsche Waffen braucht, ist wenigstens noch unser guter Ruf in anderen Diktaturen gewahrt. Apropos: Russland und China, zwei Länder, die ständig Waffen brauchen, werden bestimmt nicht vergessen, dass sich Deutschland bei der Flugverbotszone mit ihnen enthalten hat.
Hut ab, Herr Westerwelle, Sie sind ein wahrer Großmeister der Diplomatie!
*an dieser Stelle kommentieren wöchentlich wechselnd Prominente aus Politik, Wirtschaft, Kultur und organisiertem Verbrechen.
ssi; Cartoon: meikel neid