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Sonntag, 7. August 2011

Das Wort zum Sonntag (133)

Es kommentiert Gotthilf von Düchting (CDU-Innenminister a.D.)*:
Innenminister Hans-Peter Friedrich hat wie immer Recht, wenn er im Interview mit dem Spiegel fordert, dass Blogger als Konsequenz aus den Norwegenattentaten "ihre wahre Identität (...) offenbaren" und "mit offenem Visier" argumentieren sollten – immerhin müssen die Grundsätze der Rechtsordnung "auch im Netz gelten". Ich wüsste sogar schon, wie man eine solche Aufhebung der Anonymität nennen könnte: "Impressumspflicht". Zur Sicherheit sollte man diese auch gleich noch in einer Art "Telemediengesetz" festschreiben. Und am besten hätten wir das schon vor vier Jahren getan und nicht erst heute.
Der Innenminister sagte auch: "Politisch motivierte Täter wie Friedrich finden heute vor allem in der CSU jede Menge radikalisierter, undifferenzierter Thesen, sie können sich dort von Stammtisch zu Stammtisch hangeln und bewegen sich nur noch in dieser geistigen Sauce." Verzeihung, statt "Friedrich" muss es natürlich "Breivik" heißen, statt "CSU" natürlich "Internet" und statt "Stammtisch zu Stammtisch" natürlich "Blog zu Blog".
Doch Friedrich denkt nicht weit genug: Warum sollte ein Anonymitätsverbot nur im Netz gelten? Ich fordere, dass künftig jeder Bundesbürger ein Namensschild an seiner Brust trägt, damit er immer und überall auf Anhieb identifiziert werden kann. Wer würde es mit einem solchen Namensschild noch wagen, radikales Gedankengut zu verbreiten (außer Politikern), eine Bank zu überfallen (außer Kriminellen) oder demonstrieren zu gehen (außer Angepassten)?

*an dieser Stelle kommentieren wöchentlich wechselnd Prominente aus Politik, Wirtschaft, Kultur und organisiertem Verbrechen.
 ssi (mit Dank an alvin), Cartoon: meikel neid



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