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Donnerstag, 19. Juli 2012

Wikipedianer im Endkampf darum, wer Assads Todesdatum eintragen darf

Berlin, Damaskus (dpo) - Es ist ein Krieg ohne Rücksicht auf Verluste: Zahlreiche Autoren der Online-Enzyklopädie Wikipedia haben sich in ihren Häusern verschanzt und kämpfen darum, wem die große Ehre gebührt, das Todesdatum des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad einzutragen. Die Eingeschlossenen verfolgen seit Tagen ängstlich die Nachrichten und aktualisieren Online-Portale wie Spiegel Online und Bild.de im Sekundentakt.

Marco B. (28), ein Wikipedia-Veteran aus Berlin, hat sich für die Schlacht um Damaskus extra eine Woche frei genommen und hält tapfer die Stellung: "Meine F5-Taste ist schon ganz abgenutzt und meine Nahrungsmittelvorräte gehen zur Neige, aber damit muss ich leben. Immerhin herrscht Krieg", erklärte der Wikipedianer gegenüber dem Postillon – ohne die übermüdeten Augen auch nur einen Moment vom Bildschirm zu nehmen oder die Fernsehnachrichten leiser zu stellen.
Zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht tot: Assad
Für den großen Moment des Triumphes hat B. schon alles vorbereitet. "Ich habe eine Version vorgeschrieben, bei der hinter Assads Geburtsdatum bereits das heutige Datum als Sterbezeitpunkt steht. Außerdem habe ich alle aktuellen Informationen, wie etwa, dass er Präsident Syriens ist, ins Präteritum gesetzt."
Sobald Assad stirbt, muss Marco B. nur noch rechtzeitig auf "Seite Speichern" klicken und der Sieg wäre sein. Mit einer ähnlichen Taktik gelang es dem erfahrenen Online-Enzyklopädisten bereits im vergangenen Jahr, das Todesdatum von Muammar al-Gaddafi einzutragen.
Viele Autoren hoffen, dass sich die syrischen Rebellen etwas beeilen. Jeder Tag, an dem Assad noch am Leben ist, fordert mehr Opfer unter den wackeren Wikipedia-Kämpfern, denn nicht wenige halten den Druck und die Anspannung nicht aus und brechen schließlich aufgrund von Erschöpfung und Dehydration zusammen.
ssi; Foto oben: © Helder Almeida - Fotolia.com, Foto rechts: Louai Beshara, CC BY-SA 3.0

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