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Freitag, 18. Dezember 2009

Statistisches Bundesamt und Medien verschleiern Trend zum "Omasaufen"

Wiesbaden (dpo) - Am Dienstag hat das Statistische Bundesamt die neusten Zahlen zu stationären Behandlungen aufgrund von Alkoholkonsum veröffentlicht. Obwohl 2008 im Gegensatz zu 2007 nahezu alle Altersklassen besorgniserregende Zuwächse verzeichneten (im Schnitt 9,3%), bezog sich das Bundesamt in seiner Presseerklärung ausschließlich auf die Zuwächse bei den Jugendlichen zwischen 10 und 20 Jahren, was in den Mainstream-Medien wie schon in den Vorjahren dankbar und unreflektiert aufgenommen wurde (Ausnahme: SpiegelOnline).

Einzig der Postillon hat sich die Mühe gemacht, die Zahlen auszuwerten (siehe Grafik rechts oben, durch Anklicken vergrößerbar). Das verblüffende Ergebnis: Die schlimmsten Trinker im Land sind nicht etwa unsere Jugendlichen, sondern die Ältesten. In den Altersgruppen von 65 bis 115 ist die Anzahl von alkoholbedingten stationären Behandlungen in den vergangenen Jahren überproportional in die Höhe geschnellt. Sie betreiben das, was man landläufig als "Omasaufen" bezeichnet und werden dabei von Presse und Staat sogar noch gedeckt.
"Immer häufiger schleichen sich Senioren nachts aus unserem Stift und lassen sich in einem der zahlreichen Tanzlokale volllaufen", bestätigt die Bielefelder Altenpflegerin Anke Schnurps gegenüber dem Postillon. "Dabei glühen sie nicht selten mit Eierlikör und Klosterfrau Melissengeist vor." Die Folgen sind Kontrollverlust, Trunkenheit im Rollstuhl und sexuelle Ausschweifungen. Viele Alzheimerpatienten treiben es so bunt, dass sie sich am nächsten Tag nicht einmal mehr an ihre wilden Soiréen erinnern können.
"Ich habe immer eine Wärmflasche voll Grog bei mir", gesteht Hildegard M. (87) aus Landau. "Außerdem habe ich Williamsbirnen und andere Obstler für den Winter eingeweckt." Die Rentnerin, die ihr Gebiss über Nacht in Chantré einlegt, wurde bereits achtmal ins Krankenhaus eingeliefert - einmal sogar alkoholbedingt.
Der (nur noch) halbstarke Heiner (92), Hildegards Trinkkumpan von nebenan, treibt den Exzess auf die Spitze, hat sogar noch eine Saufmaschine mit Zweitaktmotor aus dem 2. Weltkrieg. "Damit bin ich im Nullkommanichts voll wie eine Strandhaubitze", prahlt der noch immer aktive Rentner, der sein Trinkgeld früher als Kampftrinker auf Jahrmärkten verdiente. Auf Alkohol-Verbote von seinen Enkeln pfeift er.
Dr. Leonhard Degen vermutet, dass Senioren wie Hildegard und Heiner ihren Altersgenossen etwas beweisen wollen. "Es gilt als 'dufte' zu trinken. Dabei ruinieren sie sich damit ihre Gesundheit", so der Gerontologe. Weitere negative Einflüsse seien Treppenlifte, die das Bierholen aus dem Keller erleichtern und die hohe Arbeitslosigkeit unter Rentnern (über 95%!). Degen ist überzeugt: "Wenn Menschen über 65 weiterhin so exzessiv trinken, dann sterben sie irgendwann."
ssi, jsi; Grafik (Jörg S.): Nicht schwierig auszuwerten: Zahlen für alle Altersgruppen, Foto (Tomas Castelazo): Knülle: Hildegard M.; Foto rechts (Vasconcelos): Bis zur Besinnungslosigkeit: Heiner.



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