
Hamburg (dpo) - Unfassbar! Wahnsinn! Schnapszahl!
Der Postillon feiert heute seinen 164. Geburtstag. Exakt am 28. Oktober 1845 gründete der ostfriesische Schweizer Stefano "Schmarrn" Sichemarn inspiriert von der Perspektive auf schnelles Geld und leichte Frauen eine Zeitung, die heute täglich von gut zwei Milliarden Deutschen gelesen wird.
Und weil das Traditionsblatt vor genau einem Jahr als letzte große Tageszeitung den Sprung ins Internet gewagt hat, gibt es sogar ein Doppeljubiläum. Feiern Sie mit uns, besuchen Sie eine der spontanen Partys, die seit 00:00 Uhr deutschlandweit gefeiert werden oder lesen Sie wenigstens die nun folgende kurze Historie der letzten 12 Monate mit vom Chefredakteur persönlich ausgewählten Sternstunden des investigativen Journalismus.
Oktober 2008: Der Postillon erblickt unter der Adresse
derpostillon.blogspot.com am 28. das Licht der Welt. Ohne sich selbst groß anzukündigen läutet der Artikel
Hund beißt endlich wieder Mann (Foto) eine neue Ära ein. Von Anfang an dominierten die
Ausscheidungen von Vierbeinern und die
sinnlichen Lippen von EU-Kommissaren die Berichterstattung. 4 bis 13 Besucher (unique visitors) verirren sich täglich auf die junge Seite.
November 2008: Im November decken die Enthüllungsjournalisten des
Postillons einen
großen Bierskandal (Foto) auf, berichten vom
Rücktritt Obamas, dokumentieren einen
schweren Fall von Mopsquälerei und verfassen einen
Nachruf auf Alf.
Das erste Wort zum Sonntag erscheint. Auch über die
Freilassung Klars, ein
feiges Kartenhausattentat und einen gefährlichen
Bi-Ba-Buzemann-Angriff lesen im November immerhin täglich 8 bis 25 User. Am 26.11.
zieht der Postillon im Zuge eines größeren Stellenabbaus in das neue und immer noch aktuelle Redaktionsgebäude unter der Adresse
der-postillon.com.
Dezember 2008: Der Dezember brachte neben einer
Reportage über Schachhooliganismus, ersten
Umfragen von Opinion Control und
erstklassiger Sportberichterstattung immerhin eine erste Erwähnung bei
medienrauschen, was sagenhafte 100 Besucher an einem Tag auf die noch immer junge Seite trieb. Ein
Exklusiv-Interview mit Jesus (Foto) an Heiligabend durfte da natürlich nicht fehlen. Über die Weihnachtsfeiertage erhält der
Postillon sein aktuelles mehrfach prämiertes Design. Tägliche Besucher: ca. 30.
Januar 2009: Im neuen Jahr konnte der
Postillon seinen ersten Google-Erfolg verzeichnen: Der Artikel
Jackpot geknackt wurde im Zuge des Lottofiebers ca. 500fach ergoogelt und angeklickt. Mit
Tollste Achterbahn aller Zeiten feierte die erste
Onion-Übersetzung ihren Einzug. Ihr sollten noch
viele weitere folgen. Weitere Themen im Januar waren ein
prominenter Selbstmord, ein
Hochstapler, der
erste Auftritt des kleinen Timmys und die
Wiederwahl Roland Kochs (Foto). Gelesen wurde all das von 34 bis 254 (Google-Jackpot) Besuchern pro Tag.
Februar 2009: Im kürzesten Monat des Jahres
scheiterte die Ehe von Timmys Eltern (Foto) und
ein Krokodil bedrängte den Kasper. Außerdem erschien
der erste Newsticker,
Obama misshandelte kleine Raucher und eine
Politesse musste hinter schwedische Gardinchen. Dass im Februar der
Ku-Klux-Klan ausgelöscht wurde und
Amnesty International zur Atommacht aufstieg, konnten immerhin schon stabile rund 150 Leser exklusiv erfahren.
März 2009: Im März berichtete der
Postillon exklusiv über
das Aus für die Bremer Stadtmusikanten, wandte sich
seiner albanischen Leserschaft zu und entdeckte
die hohe Kunst des Photoshoppens. Der Amoklauf in Winnenden war ein gefundenes Fressen und wurde mit
vier Artikeln ordentlich ausgeschlachtet. Weiterhin
verschwanden im März eine Polonaise, die
Autobiographie eines Amnesie-Kranken und
Horst Köhler aus dem Fokus der Öffentlichkeit (Foto). Gelesen oder weggeklickt haben das unveränderte 150 tägliche Besucher.
April 2009: Der April sollte der bislang folgenreichste Monat in der Geschichte des
Postillons werden: Angestachelt von einem mittlerweile entlassenen Praktikanten twitterte der Chefred. unter dem Namen
DerChefred und mit einem Foto von Kai Diekmann über den harten Büroalltag eines Topjournalisten. Diekmanns Anwalt ließ den Account löschen und den Chefred. wegen Persönlichkeitsrechtsverletzung blechen.
Der Artikel, in dem diese Ereignisse zusammengefasst waren (Foto), wurde vom
BILDblog verlinkt und brachte allein im April ca. 12.000 Besucher herein (siehe Kommentare). Danke noch einmal dafür, Kai! Eine Erwähnung
im selben Medium zum Thema Pro-Reli brachte weitere Besucherströme und sorgte für durchschnittlich (lange nicht mehr erreichte) 600+ Visits täglich. Außerdem gab es im April noch
Kühlschrankplünderungen, einen
toten Hasen, einen
iranischen Doppelkopf, ein
Nordic-Walking-Desaster und einen ersten
Artikel über die Übertragung der Schweinegrippe, der ein wenig Wellen schlug.
Mai 2009: Den Mai
durfte Franz Beckenbauer einläuten. In diesem Monat
erfand Bild Drosselspuren (Foto),
warf ein Außenseiter erfolgreich das Handtuch,
bekam die FDP ernsthafte Konkurrenz und die
"Neue Germanische Medizin" Ärger mit dem Postillon. Das erste
Postillon-Bilderrätsel erschien ebenso im Mai wie das
erste Exemplar der beliebten Nachrichten in Bildern und die
erste Presseschau. Außerdem stellte sich heraus, dass
der Postillon jugendgefährdend ist. Bis heute ist er auf manchen Rechnern nicht aufrufbar, was rund 450 Besucher (immer noch leicht
BILDblog-geschwängert) täglich im Mai aber nicht davon abhielt, fleißig vorbeizuschauen.
Juni 2009: Im Juni machte sich die
Redaktion gen Thailand aus dem Staub. Dennoch ging es auf Sparflamme weiter:
Ein Mausmaki (Foto),
die Lebensmittelampel,
Arkandor und die
Europawahl dominierten die Schlagzeilen. Beinahe wäre übrigens im Anschluss an die Wahl die
Partei der Nichtwähler gegründet worden. Aufsehen erregten aber auch
ein vernachlässigtes iPhone,
eine außer Kontrolle geratene Elbfähre und eine
drohende al-Qaida-Pleite. Trotz Thailand besuchten den
Postillon täglich im Schnitt 400 Leser.
Juli 2009: Der Juli in Stichpunkten:
Rückkehr,
Jacko tot,
Clown,
Schuhe,
Mondreport,
Bienen (Foto),
Kleinanzeige,
Timmy und ein
Arschbombenattentat - und das Alles bei rund 450 Lesern täglich. Toll! Wer jetzt das Gefühl bekommt, dass der Red. langsam keine Lust mehr auf diese historische Übersicht hat, der liegt richtig.
August 2009: Der August brachte nicht nur halbnackte Frauen in den innerstädtischen Parks mit sich, sondern auch jede Menge bahnbrechende Artikel. Ein
beraubter Luftgitarrist durfte dabei ebensowenig fehlen wie
bekiffte Polizisten oder die
Satirepartei FDP. Der
Postillon konnte außerdem sowohl einen
Wahlumfragebetrug um Horst Schlämmer aufdecken, als auch das
60-jährige Jubiläum von adidas feiern.
Ein Geißeldrama auf der Reeperbahn rundete den durchweg erfolgreichen Monat August schließlich ab (Besucherdurchschnitt 600).
September 2009: Im September berichtete der
Postillon über den
Tatort-Skandal, über
eine Bande Wildschweine, den
neuen Tarantino-Film und einen
Kettensägenmörder. Außerdem startete die neue Rubrik
Links234. Die Bundestagswahl rückte selbstverständlich mehr und mehr in den Fokus. Das zeigte sich beim Kampf für eine
starke Mitte (FDP) (Foto),
Terrordrohungen nach der Wahl, in einer
fundierten Bundestagswahlanalyse und einem
Ratgeber wie man richtig wählt. Gelesen wurde das von rund 650 Besuchern täglich.
Oktober 2009: Der noch nicht ganz vollendete Oktober schließt das erste
Postillon-Online-Jahr ab.
Warum hassen alle Lafo und
warum lieben alle zu Guttenberg? Diesen und anderen Fragen stellte sich die tapfere Redaktion in dieser herbstlichen Zeit. Eine vollständige
Geschichte des Postillons pünktlich zum 164-jährigen Jubiläum (Foto) gibt schließlich einen gekonnten Überblick über die vergangenen 12 Monate. Besucherschnitt Oktober: ca. 700.
Danke auch an Eulenspiegel-Leser, Anonymus, Muriel, Mimimat, Leftfield, bornabas, Runaway Brain, der besen, Paramantus, Gedankenpflug, diverse Anonyms und all die anderen Kommentatoren, die hier nicht extra aufgeführt wurden.
Für Gratulationen, 'weiter so!'s und Fangekreische ist jede Menge Platz in den Kommentaren. ssi; Fotos: Quellenangaben in den jeweiligen Artikeln.
Johnbook gratuliert dem
Postillon auf die ihm eigene Art:
Herzlichen Glühstrumpf