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Freitag, 4. Juni 2010

Postillon-Liveticker: NPD-Parteitag in Bamberg

Bamberg (dpo) - Die NPD hat schon im Vorfeld ihres Parteitages in Bamberg, der heute und morgen stattfindet, für Wirbel gesorgt, indem sie Journalisten verschiedener kritischer Medien die Akkreditierung verweigerte.
Zugelassen wurden dagegen die "Rhein-Main-Kampf-Zeitung", die "Eva Braunschweiger Zeitung", die "Fascistical Times Deutschland" und die "K. Z.". Der Postillon, zwischen 1933 und 1945 auch als "Völkischer Stürmer" bekannt, wurde selbstverständlich akkreditiert und berichtet daher exklusiv im Liveticker vom Parteitag der NPD:



9:00 Uhr: Nachem viele der Ewiggestrigen versehentlich einen Tag zu früh angereist waren, geht der Parteitag jetzt endlich los. Dank gekämmtem Schnurrbärtchen und adrett über die blank polierte Glatze gelegtem Seitenscheitel fällt der Postillon-Reporter nicht unnötig auf.

9:05 Uhr: Rommelwirbel, dann singt Populärmusikerin Sarah Konner die erste Strophe der Nationalhymne (Deutschland, Deutschland brühber alles).

9:20 Uhr: Landes- und Bundesvorsitzende behitlergrüßen die Anwesenden und eröffnen den Parteitag. Seit 9:24 Uhr wird wie verrückt beschlossen.

9:49 Uhr: Der Parteivorstand stellt fest, dass zahlreiche Mitglieder fehlen, da der Verfassungsschutz am selben Tag zufällig ein Betriebspicknick abhält.

10:14 Uhr: Der Schatzmeister der Partei wird einstimmig entlastet. Der Vorstand beschließt, ihm das erfreuliche Ergebnis beim nächsten Besuchstermin in der JVA Neubrandenburg, wo er noch zwei Jahre wegen Untreue abzusitzen hat, persönlich mitzuteilen.

10:59 Uhr: Einem Änderungsantrag des Landesverbands Sachsen folgend beschließt der Parteitag mit großer Mehrheit, einen Rechtschreibfehler im Antrag "Verbesserung der deutschen Rasenhygiene" zu korrigieren.

11:17 Uhr: Peinlich: Nach nur wenigen Stunden geht an der Theke im Foyer das Reichskristallweizen aus, das eigentlich 1000 Jahre reichen sollte. Der Postillon-Reporter muss notgedrungen auf alkoholfreies Holoclausthaler umsteigen.

11:50 Uhr: Man streitet darüber, was eine Fusion mit der DVU für die NPD bedeutet. Erst ein zur Rate gezogener Duden kann die Meinungsverschiedenheit schlichten ("Fusion" bedeutet "Vereinigung"), bevor sie zum totalen Streit ausartet.

12:08 Uhr Mittag-SSen: Frechheit, die Parteitagskantine nimmt keine Reichsmark an. So müssen Heilbutt, Bismarckgöring und Goebbelsalat leider mit dem verhassten Euro bezahlt werden.

12:48 Uhr: Es geht weiter mit der Diskussion, wie der Bundeshaushalt nach der Machtübernahme saniert werden soll. Man einigt sich auf die Einführung einer 3. Reichensteuer und die Ausbeutung von Nazigoldminen.

13:29 Uhr: Weil plötzlich ein unbekanntes Wesen den Veranstaltungsraum betreten hat, herrscht peinlich berührtes Schweigen. Als klar wird, dass es sich um eine Frau handelt, werden Bäuche eingezogen und Frisuren gerichtet. Die Dame hat sich aber nur in der Tür geirrt und geht zur allgemeinen Erleichterung gleich wieder.

14:05 Uhr: Der Vorsitzende der Katzis (Katholische Nazis) behakenkreuzigt sich und fordert den Parteitag zur Solidarität mit der Pius-Bruderschaft auf.

14:31 Uhr: Kaffeepause. Leider wissen weder der echt deutsche Kaffee noch die Schokoladentorte aus Dresdner Kakaobohnen, den Gaumen zu erfreuen.

14:55 Uhr: Weiter geht's mit irgendeiner Debatte mit dem Titel "Reichswer? Wie? Was? Alzheimer bei Kriegsveteranen". Was aber wirklich hängenbleibt ist die Empörung des Postillon-Reporters über gerade mal 24 Minuten Zeit für Kaffee und Kuchen. Das sind ja Nazimethoden!

15:44 Uhr: Die NPD nominiert den Neonazi-Barden Frank Rennicke als Bundespräsidentschaftskandidaten. Schmälert er Wulffsschanze?

16:02 Uhr: Die Klimaanlage ist viel zu kalt eingestellt. Viele NPD-Abgeordnete frieren mangels passender Kleidung bei Temperaturen von um die sieben Stalingrad.

16:27 Uhr: Trotz fortgeschrittener Stunde leugnet die Parteiführung immer hysterischer, dass die Veranstaltung langsam zu Ende geht. Durchhalteparolen werden ausgegeben. Auch alte Männer und Kinder müssen jetzt ans Rednerpult. Noch will man das russisch-amerikanische Firmenkonsortium, das den Saal ab 16:30 Uhr gemietet hat und bereits vor der Tür steht, nicht hereinlassen.

16:42 Uhr: Die Lage wird ernst. Weil Amerikaner und Russen in der Überzahl sind und jetzt sogar von zwei Seiten kommen, entschließt man sich aufzugeben und verspricht, den Saal freiwillig zu räumen.

16:44 Uhr: Der Parteitag sollte eigentlich mit dem Lied der Deutschen ausklingen, doch durch einen Kopiererfehler sind die Notenblätter unleserlich. Da niemand den Text auswendig kennt, einigt man sich darauf das Carglass-Lied zu singen ("Carglass repariert, Carglass tauscht aus!").

16:45 Uhr: Und mit diesem wunderschönen Ohrwurm entlassen wir Sie nun ins Wochenende.

ssi, lnk