Newsticker

Montag, 18. April 2011

Axel-Springer-Verlag räumt ein, dass "Bild" in Wahrheit eine Satirezeitung ist

Berlin (dpo) - Der Springer-Verlag räumte heute erstmals ein, dass es sich bei der sogenannten Bild-"Zeitung" um eine reine Satirezeitung handelt. Jahrzehntelang hatte sich das Blatt unter Zuhilfenahme aller Stilmittel der Satire - etwa Übertreibungen, albernen Wortspielen oder dreisten Lügen - über politische und gesellschaftliche Fehlentwicklungen lustig gemacht und diese so mit spitzer Feder karikiert.

"Nachdem mehr und mehr Menschen gemerkt haben, dass wir sie nur auf den Arm nehmen, haben wir uns nun endlich entschlossen, die Katze aus dem Sack zu lassen", so Mathias Döpfner, der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG. "Natürlich handelt es sich bei der Bild-Zeitung nicht um eine plumpe Boulevardzeitung, sondern um ein hochintellektuelles Satireprodukt." Das, so Döpfner, lasse sich doch schon am unglaublich sinnlosen Namen und ironisch unhandlichen Format des Blattes erkennen.
Geniale Karikatur: "Diekmann"
Der Chefsatiriker von Bild, bekannt unter dem Künstlernamen "Kai Diekmann", ist stolz auf sein Team: "Jeden Tag saugen sich Spaßvögel wie Franz Josef Wagner, Paul Ronzheimer oder Oliver Santen den gröbsten Unfug aus den Fingern und unsere Leser haben Spaß." Diekmann heißt mit richtigem Namen Karl Wenzel und trägt privat weder Brille noch käme er je auf die Idee, sein Haar zu gelen.
"Dass dennoch der ein oder andere glaubt, was wir schreiben, fasziniert mich immer wieder aufs Neue", so Diekmann, der jedesmal eine "diebische Freude" empfindet, wenn - wie in der Vergangenheit oft geschehen - selbst seriöse Zeitungen wie die Süddeutsche oder die FAZ auf Meldungen von Bild hereinfallen und diese sogar noch weiterverbreiten.
Genialer Witz: Bild kämpfte sogar für ihn
Zu den besonderen Stärken von Bild gehört es, sich über konservative und wirtschaftsliberale Gesellschaftsströmungen lustig zu machen. Zu diesem Zweck nimmt das Satiriker-Team um Diekmann Forderungen dieser Gruppen auf und überzeichnet sie in ihren Artikeln derart plump, dass ihre Doppelmoral jedem klar sein müsste.
Nur um sie zu entzaubern, lasse man zudem immer wieder Witzfiguren wie Thilo Sarrazin zu Wort kommen, die nicht einen geraden Satz herausbekommen, aber Deutschtests fordern.
Sorgen um den geschäftlichen Erfolg von Bild machen sich Diekmann und sein Satiriker-Team nach dem öffentlichen Outing als Fake-News-Zeitung keine. "Sie denken doch nicht ernsthaft, dass irgendeiner unserer 12,53 Millionen Leser, die ich allesamt im akademischen Milieu ansiedeln würde, auch nur ein Wort von dem glaubt, was wir so verzapfen", so Diekmann gegenüber dem Postillon. "Das wäre ja furchtbar!"
ssi; Foto links: Philipp Neuhaus, CC BY-SA 2.5

Mehr zum Thema Bild im Postillon-Archiv:
Bild-Zeitung zieht Truppen für Invasion Griechenlands zusammen
Wahrscheinlichkeit, dass Satellit ROSAT auf Axel-Springer-Hochhaus stürzt, leider sehr gering