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Dienstag, 1. November 2011

"Volksbefragung": EU entsetzt über neuartige Entscheidungsmethode aus Griechenland

Athen (dpo) - Europa zwischen Schock und Ratlosigkeit! Griechenlands Ministerpräsident Giorgos Papandreou hat überraschend angekündigt, sein Land werde eine in der Europäischen Union bislang völlig unbekannte Art der Entscheidungsfindung anwenden, um zu bestimmen, ob es die mit den EU-Hilfen verbundenen Sparauflagen akzeptiert: eine sogenannte "Volksbefragung".
Die alten Griechen würden im Grab rotieren
Bei einer solchen Volksbefragung soll - wie der Name schon sagt - ausgerechnet das Volk über seine eigenen Belange entscheiden – ein Umstand, der Griechenlands europäische Partner aufs tiefste verstört.
"Griechenland hat das Prinzip der EU offensichtlich nicht verstanden", erklärte FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle sichtlich "irritiert" und sprach von einem "merkwürdigen" Verhalten Papandreous. "Hier regieren Börsenkurse und Märkte und denen gefällt so ein Unfug wie eine Volksbefragung ganz und gar nicht."
Irre: Als könnten Menschen über Politik entscheiden
Auch andere hohe EU-Beamte sehen das griechische Vorhaben mit Skepsis. Ein Sprecher der Europäischen Kommission erklärte: "Wo kämen wir denn hin, wenn jetzt auf einmal die Menschen über ihr eigenes Schicksal entscheiden? Wir steuern direkt in eine Volksherrschaft, wenn dieses Beispiel Schule macht."
Immerhin, weil Griechenland die Volksbefragung als Entscheidungsmittel erfunden hat, steht dem hochverschuldeten Staat das Recht zu, der neuen und überaus exotischen Methode auch einen Namen zu geben: Gerüchten zufolge soll sie "δημοκρατία" ("Demokratie") heißen.
ssi; Foto links: Steven Fruitsmaak/Wikinews, CC BY-SA 3.0

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