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Freitag, 2. Dezember 2011

Amputo-Karnivoren essen nur aus medizinischen Gründen entfernte Tiergliedmaßen


Düsseldorf (dpo) - Endlich gibt es eine Lösung für alle, die einerseits nicht möchten, dass für ihre Ernährung Tiere sterben müssen, andererseits jedoch nicht ganz auf den deftigen Geschmack von Braten, Schnitzel & Co. verzichten wollen: Sogenannte Amputo-Karnivoren essen Fleisch nur, wenn es von zuvor aus medizinischen Gründen entfernten Tiergliedmaßen oder -organen stammt.

Froh, dass ihr Bein Verwendung findet: Kuh
Marco Bentler (48), der Erfinder dieses neuen Ernährungsstils, hat gerade in Düsseldorf das erste Restaurant eröffnet, das ausschließlich amputo-karnivorische Gerichte serviert. Bei der Entwicklung dieser Ernährungsweise ließ sich Bentler von Frutariern inspirieren, von denen manche nur das essen, was vom Baum oder Strauch gefallen ist, um keine Pflanzen zu beschädigen.
Bentler erklärt dem Postillon, wie sein Restaurant funktioniert: "Ich habe alle Tierärzte in der Umgebung informiert, damit sie mir Bescheid geben, sobald sie einem Tier aus medizinischen Gründen etwa ein Bein abnehmen müssen. Wir holen die abgenommene Extremität dann sofort ab, bereiten sie zu und servieren sie unseren Gästen, die anschließend ohne Gewissensbisse hemmungslos genießen können."
Dieses Eisbein stammt von einer angefahrenen Sau
Bentler räumt allerdings auch ein, dass sich im unteren Preissegment seiner ohnehin schon teueren Speisekarte vor allem Gerichte aus Hunde- und Katzen-Extremitäten befinden, da die meisten Schweine-, Rinder- und Hühner-Besitzer ihre Tiere lieber gleich schlachten, anstatt sie einer kostspieligen Operation zu unterziehen. "Erreicht uns dann doch einmal die Nachricht, dass irgendwo ein Kuhbein amputiert werden soll oder einem klinisch hirntoten Schwein die Organe entnommen werden können, ist das für uns quasi ein Jackpot", so Bentler.
Als zusätzlichen Service bietet Bentler seinen Gästen an, nach dem Verzehr eines amputierten Stück Fleisches das jeweilige "Spendertier" zu besuchen, damit sie sich vor Ort überzeugen können, dass es noch lebt. Bentler: "Es gibt nichts Schöneres als dabei zuzusehen, wie jemand ein Tier füttert, dessen Vorderbein er noch wenige Stunden zuvor verspeist hat."
ssi; Foto rechts: belgianchocolate, CC BY 2.0, Foto links: Rainer Zenz, CC BY-SA 3.0