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Dienstag, 27. März 2012

Ehrensache: V-Leute wollen auch ohne Bezahlung in der NPD bleiben

Berlin (dpo) - Die von den Innenministern von Bund und Ländern geplante "Abschaltung" der vom Verfassungsschutz bezahlten V-Leute in der NPD könnte sich schwieriger gestalten als erwartet. Führende Neonazis, die bisher für ihre Tätigkeit in den Vorständen und Gremien der Radikalenpartei regelmäßige Zuwendungen bekamen, sehen in dem Ministerbeschluss keinen Grund zum Ausstieg. Für sie ist es Ehrensache weiterzumachen.

In Hintergrundgesprächen räumten etliche V-Leute ein, dass es außer den Zuwendungen vom Verfassungsschutz für sie noch andere Gründe gäbe, weiterzumachen. "Die Bewegung" sei ihnen in den letzen 15 Jahren "doch irgendwie ans Herz gewachsen".
Machen weiter: V-Leute (1., 4., 5. und 8. v. r.)
"Ich bin jetzt seit über zehn Jahren Nazi", erklärt etwa ein Mitglied der NPD-Führungsspitze. "Früher habe ich Ausländer verprügelt und jüdische Friedhöfe geschändet. Heute hetze ich im Internet. Da höre ich doch nicht einfach auf, nur weil ich kein Geld mehr dafür bekomme. Das wäre irgendwie unredlich." Auch könne er sich nicht vorstellen, künftig stattdessen zur Überwachung der Linkspartei eingesetzt zu werden und dafür regelmäßig an deren "stinklangweiligen Versammlungen teilnehmen zu müssen".
Eine Lösung für dieses Dilemma schlug der Leipziger Politikwissenschaftler Dr. Helmut Watzlaff vor. Die Abschaltung müsse, gerade im Hinblick auf die oft eher perspektivlose Situation der V-Leute, sozialverträglich gestaltet werden. Er ist sich sicher, dass nur die Zahlung einer üppigen Nichtbespitzelungsprämie den harten Kern vom Weitermachen abhalten würde. Watzlaff: "Diese Leistung fürs Nichtstun sollte wegen der rechtschaffenen Gesinnung der Beteiligten einen respektabel klingenden Namen erhalten. Passend wäre etwa der Begriff 'Ehrensold'."
Walter Klotz (Gastbeitrag); Foto oben: Rufus46, CC BY-SA 3.0, Foto rechts: Christian Horvat, CC BY-SA 3.0



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