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Dienstag, 4. Juni 2013

Hochwassergebiete halten Flut besorgt dreinblickender Politiker nicht mehr lange stand

Passau, Leipzig (dpo) - Müssen die armen Menschen in den Hochwassergebieten nicht schon genug ertragen? Nun ergießt sich in die von den Überschwemmungen betroffenen Städte auch noch eine wahre Jahrhunderflut an besorgt dreinblickenden Politikern, die versuchen, so auszusehen, als würden sie tatkräftig helfen. Rettungskräfte und Anwohner wissen nicht, wie lange sie den Politikermassen noch standhalten können.

Den Menschen vor Ort schwinden allmählich die Kräfte: "Ich habe seit Tagen nicht geschlafen", klagt Einsatzleiter Franz Bülow vom Technischen Hilfswerk in Leipzig. "Alle paar Minuten werden neue Politiker herangespült und lassen sich von Medienvertretern dabei fotografieren, wie wir ihnen die Lage vor Ort schildern. Dabei müssen wir in irgendeine Richtung zeigen, in die der jeweilige Politiker dann besorgt blickt, obwohl er gar nicht zuhört. Geholfen ist damit natürlich niemandem."
Blickt besorgt drein: Haseloff (CDU)
Unter der schier unaufhaltsamen Politikerflut leiden zahlreiche Städte: So soll das sächsische Grimma innerhalb kürzester Zeit von Bundesinnenminister Friedrich (CSU) und Ministerpräsident Stanislav Tillich (CDU) heimgesucht worden sein. In Sachsen-Anhalt sind Halle, Zeitz, Altjeßnitz und Dessau-Roßlau von Ministerpräsident Rainer Haseloff (CDU) betroffen.
Regensburg und Rosenheim wiederum ächzen unter Horst Seehofer (CSU), während die brandenburgischen Orte Perleberg und Herzberg mit Matthias Platzeck (SPD) und Anita Tack (Linke) zu kämpfen haben.
Lässt sich etwas zeigen: Horst Seehofer (CSU)
Wenigstens im von Politikern zwischenzeitlich besonders überschwemmten Passau herrscht Erleichterung, weil sich Horst Seehofer und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bereits langsam zurückziehen. Für heute werden nur noch einige eher harmlose Lokalpolitiker erwartet.
Politikerschwemmen wie die aktuelle sind ein relativ junges Phänomen, das auf den Wahlsieg Gerhard Schröders (SPD) nach seinem Engagement beim Elb- und Donau-Hochwasser 2002 zurückzuführen ist.
Immerhin: Dank allmählich sinkender Hochwasserpegel könnte der Spuk bald ein Ende haben. Politologen vermuten nämlich, dass die Volksvertreterflut langsam von alleine abebbt, sobald die Politiker merken, dass sie ihre besorgten Gesichter nicht mehr medienwirksam in die Kamera halten können.
ssi



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