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Dienstag, 29. Oktober 2013

Erstes Coming-out in der Bundesliga: Philipp Lahm gesteht öffentlich, kein einziges Tattoo zu haben

München (dpo) - Jetzt ist es endlich passiert! Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesliga hat sich ein Fußballprofi öffentlich geoutet. Bayern-Kapitän Philipp Lahm gestand gegenüber dem Postillon, am ganzen Körper nicht eine einzige Tätowierung zu haben. "Ja, es ist wahr, ich bin komplett untätowiert. Das habe ich mir nicht ausgesucht. Ich bin einfach so geboren." Angst, jetzt von Zuschauern oder Teamkameraden gemobbt zu werden, habe der Ex-Nationalspieler "aber schon ein wenig".

Der Verteidiger habe es innerlich einfach nicht länger ausgehalten und wolle nun reinen Tisch machen: "Es ist an der Zeit, auch öffentlich zu meiner Neigung zu stehen."
Im Kader des FC Bayern habe niemand etwas gewusst, glaubt Lahm, obwohl er das eine oder andere Tuscheln natürlich registriert habe. Schließlich habe er sich stets nur als Letzter unter die Dusche getraut, um den prüfenden Blicken von Jerome Boateng, Rafinha oder Mario Mandzukic auszuweichen.
Kann ein "Normalo" wie Jermaine Jones Philipp Lahms Neigung akzeptieren?
Auch das Ritual des Trikottauschs sei ihm jedes Mal aufs Neue eine Qual gewesen. "Als ich mal mit Jermaine Jones das Trikot getauscht habe, wäre ich aus Scham fast im Boden versunken", erinnert er sich. Anmerken lassen habe er sich das aber nicht.
Auch kenne er mehrere Profikollegen mit der gleichen Orientierung, darunter sogar einige Nationalspieler. Jeder müsse aber selbst entscheiden, ob und wann er mit einem Outing an die Öffentlichkeit gehe.
Nach Schätzungen der "Vereinigung tattooloser Frauen und Männer in Deutschland" leben über 20 Prozent der Profifußballer in Deutschland untätowiert. Das entspräche in etwa dem Querschnitt der gesamten Bevölkerungsgruppe der 18- bis 35-Jährigen. Die Dunkelziffer liegt womöglich sogar noch weit höher.
Ein Scheintattoo ist für Lahm dennoch nie infragegekommen. So habe er auch von Plänen Abstand genommen, sich etwa ein sogenanntes Temptoo stechen zu lassen. "Damit hätte ich mich nur unglaubwürdig gemacht", so der Nationalspieler. "Das entspräche einfach nicht meiner Natur."
Unterstützung erhielt Lahm von Bundestrainer Joachim Löw: "Ich finde es sehr mutig von Philipp, diesen Schritt gewagt zu haben. Respekt!" Gerüchte, wonach Löw selbst untätowiert lebe, dementierte der Bundestrainer allerdings vehement. "Das ist lächerlich. Fragen Sie meine Frau!"
swo; Foto oben: 360b / Shutterstock.com, Foto rechts: Elmar J. Lordemann, Lizenz: GNU 1.2
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