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Dienstag, 14. Juli 2015

Schäuble: "Ich habe eigentlich den Kopf von Varoufakis auf einem Silbertablett gefordert"

Berlin (dpo) - Nur einen Tag nach der Einigung in der Griechenlandkrise präsentiert der Postillon exklusiv das erste Interview mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), der uns unverblümte Einblicke in die beinharte Welt der EU-Diplomatie gewährt:

Postillon: Herr Schäuble, schön, dass Sie die Zeit für das erste Interview nach der historischen Einigung in Brüssel gefunden haben.
Schäuble: Aber gern. Ich lese den Postillon schon seit der ersten Ausgabe 1845, besonders die Kontaktanzeigen und das Horoskop. Damals war ich übrigens Finanzminister des Großherzogtums Baden.
Kann in Sachen Wirtschaft jeder schwäbischen Hausfrau das Wasser reichen: Wolfgang Schäuble.
Postillon: Ohne Hitlerbart und Wehrmachtsuniform hätten wir sie beinahe nicht erkannt.
Schäuble (knarzt seltsam; vermutlich Lachen): Haha. Ja, die griechischen Medien übertreiben gerne ein bisschen. Das sind jedoch alles Fotomontagen. Hitlerbart und Wehrmachtsuniform trage ich ausschließlich zu Hause. Privat.
Postillon: Wie kommentieren Sie den Ausgang der Verhandlungen in Brüssel? Haben Sie die richtige Strategie gefunden?
Schäuble: Ja. Immerhin haben wir in den letzten Jahren 216 Milliarden Euro nach Griechenland transferiert, damit die ihre alten Schulden bei den deutschen Ban… äh… bei ihren Gläubigern bedienen konnten, und haben fünf Jahre lang zugeschaut, wie die Konjunktur durch die Sparmaßnahmen eingebrochen ist. Da haben wir uns überlegt: Wir versuchen's mal mit weiteren Hilfsgeldern und noch mehr Sparmaßnahmen. Nur weil was beim ersten und zweiten Mal nicht funktioniert hat, muss es ja beim dritten Mal nicht falsch sein. Das machen wir jetzt solange, bis es klappt.
Postillon: Kritiker sagen, dass Ihre Forderungen in den Verhandlungen zu hart waren.
Schäuble: Alles Quatsch. In den Wochen zuvor habe ich eigentlich sogar den abgetrennten Kopf von Yanis Varoufakis auf einem Silbertablett gefordert. Da gab es allerdings dann doch Widerstand von einigen Kollegen. Trotzdem ist Varoufakis aus Angst inzwischen zurückgetreten. Aber den erwische ich schon noch irgendwann. Und wenn es das Letzte ist, was… Aber ich schweife ab...
Postillon: Wie lange muss Griechenland sparen, bis es wieder aufwärtsgeht?
Schäuble: Schätzungsweise 1341 Jahre. Könnten aber auch 1344 Jahre sein. Aber spätestens, wenn sich Griechenland in die Steinzeit zurückgespart hat, folgt der Aufschwung. Erst Tauschhandel, dann Muschelwährung und schon im Jahr 3472 hat Griechenland wieder zum Rest der interstellaren EU aufgeschlossen. Wenn man bei Null anfängt, dann kann's ja nur aufwärtsgehen. Das ist Wirtschaft, erstes Semester meine ich. Als Nicht-Ökonome kann ich da letztlich nur Mutmaßungen anstellen.
Postillon: Sie haben Jura studiert.
Schäuble: Genau. Deshalb weiß ich: Ein Vertrag ist ein Vertrag ist ein Vertrag. Er darf nie wieder gebrochen oder an die Realitäten angepasst werden und ist mächtiger als alle Volksabstimmungen der Welt. Ich bete abends zu Verträgen und wenn ich morgens aufwache, dann ist das Erste, woran ich denke, Marmelade. Aber gleich danach kommen Verträge.
Postillon: Sie würden also niemals gegen Verträge oder geltendes Recht verstoßen?
Schäuble: Nie. So etwas machen nur Griechen. Das Wort "Korruption" kommt ja schon aus dem Griechischen. Korruption und Vetternwirtschaft gehören da zum System.
Postillon: Wir hätten hier einen relativ dicken Umschlag, den wir unkompliziert Ihrer Partei zukommen lassen wollen. Im Gegenzug erhoffen wir uns ein neues Gesetz, das großzügige Steuererleichterungen für Zeitungen vorsieht, deren Name auf "illon" endet.
Schäuble: Her damit. Allerdings werde ich den Umschlag - was immer da auch drin sein mag - nicht öffnen, sondern direkt an CDU-Schatzmeister Philipp Murmann weiterreichen. Das ist dann juristisch einwandfrei.
Postillon: Zurück zu Griechenland. Die Krise dort dauert nun schon mindestens sieben Jahre. Finden Sie es gerechtfertigt, dass darunter auch griechische Kinder leiden müssen, die gar nichts dafür können? Was sagen Sie etwa zum kleinen Timotheos (9), der in Athen auf der Straße lebt?
Schäuble: Für diese Kinder habe ich keinerlei Verständnis. Zum einen arbeiten die meisten von ihnen nicht und kommen damit ganz nach ihren arbeitslosen Eltern (25,6%). Zum anderen hätte der kleine Timotheos, sobald er erwachsen ist, ja auch eine Zeitmaschine bauen können. Mit der hätte er in die Zeit vor der Krise zurückreisen und das ganze Desaster verhindern können. Dann müssten wir jetzt über diese Frage gar nicht sprechen. Weil er faul ist, hat er das aber nicht gemacht.
Postillon: Wie erklären Sie sich ihre große Popularität in aktuellen Umfragen unter der deutschen Bevölkerung?
Schäuble (stolz): Das liegt wahrscheinlich an meinem unglaublichen Charisma. Außerdem bade ich regelmäßig im Blut eines frisch geschlachteten Guttenberg. Oh. Ich lese gerade, dass mein Beliebtheitswert um ein Prozent gesunken ist. Ich muss weg.
Postillon: Herr Schäuble, wir bedanken uns für das Interview.
Schäuble: Isch over.
Postillon: Sagen Sie das jetzt immer?
Schäuble: Isch over.
Postillon: Sie wollen immer das letzte Wort haben, oder?
Schäuble: Isch over.

ssi, dan; Foto oben [M]: Shutterstock, Foto rechts: Luca Brunini, CC BY-SA 4.0
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