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Donnerstag, 14. April 2016

Problem gelöst: Bundesregierung liefert Jan Böhmermann an die Türkei aus

Berlin, Ankara (dpo) - Was darf Satire, was nicht? Diese Frage dürfte wohl schon bald ein türkisches Gericht beschäftigen. Denn wie soeben bekannt wurde, hat die Bundesregierung Jan Böhmermann heute an die Türkei ausgeliefert. Damit ist es Kanzlerin Merkel erneut gelungen, sich mit Hilfe Ankaras eines komplexen Problems zu entledigen.

Gegen elf Uhr wurde der ZDF-Moderator von einer Polizeistreife an seinem Wohnort in Köln abgeholt und zum Flughafen gebracht, wo er in einen Direktflug nach Ankara gesetzt wurde. Ein Augenzeuge berichtet: "Böhmermann wirkte sichtlich angeschlagen. Er gab aber trotzdem noch einem der Polizisten, der sich als großer Fan outete, ein Autogramm auf eine Single von 'Ich hab Polizei'."
Laut oberster Satireinstanz Angela Merkel "bewusst verletzend": Böhmermann
Regierungssprecher Steffen Seibert erklärte wenig später auf einer Pressekonferenz: "Durch die Auslieferung Böhmermanns an unseren Verbündeten Türkei erspart sich die Bundesregierung weitere wochenlange Diskussionen darüber, wie weit die Meinungsfreiheit in Deutschland reicht und welche Reaktion nun richtig und angemessen ist. Stattdessen kann sich das Kabinett wieder der Sachpolitik widmen."
Auf die Frage, mit welcher Strafe Böhmermann nun rechnen müsse, antwortete Seibert: "Wir sind uns absolut sicher, dass Böhmermann in der Türkei einen fairen und rechtstaatlich einwandfreien Prozess erwarten kann." Schließlich, so Seibert, hätte Deutschland unmöglich einen Flüchtlingsdeal mit der Türkei einfädeln können, wenn Zweifel an der dortigen Menschenrechtslage bestünden.
Tatsächlich scheint Böhmermann sogar eine Vorzugsbehandlung zu genießen. Türkischen Medien zufolge wartet Präsident Erdogan persönlich in Begleitung seiner Leibwächter bereits am Flughafen auf den 35-Jährigen, um ihm nach eigenen Worten "einen gebührenden Empfang" zu bereiten.
Idee: uth; ssi, dan; Foto oben: Shutterstock, Foto rechts: Jonas Rogowski, CC BY-SA 3.0
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