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Mittwoch, 6. Juli 2016

Armer Facebook-Mitarbeiter muss jedes einzelne Profil nach AGB-Widerspruch-Posts durchforsten

Hamburg (dpo) - Frank Wernicke hat es derzeit nicht leicht. Der 32-jährige Angestellte in der Facebook-Zentrale in Hamburg hat die Aufgabe, alle deutschen Profile des sozialen Netzwerks nach Statusupdates zu überprüfen, in denen der Nutzer den neuen AGB widerspricht – bei rund 28 Millionen Nutzern hierzulande eine regelrechte Sisyphus-Arbeit.

"Um so ein Profil zu überprüfen, brauche ich im Schnitt 20 bis 30 Minuten", so Wernicke. "Weil diese Widerspruchsposts teilweise schon seit 2013 im Umlauf sind, muss man sich da oft eine ganze Weile durch die Chronik scrollen, bis man die gefunden hat." Er zeigt uns seinen Scroll-Zeigefinger, der bereits doppelt so muskulös ist wie der an seiner anderen Hand.
Jene Nutzer, die den neuen AGB mithilfe des folgenden sprachlich und juristisch einwandfreien Textes widersprochen haben, bekommen auf einer facebook-internen Liste ein Häkchen unter der Rubrik "Daten auf jeden Fall schützen":



Anwalt Dr. Dr. Grämler warnt: Der Text muss inklusive Rechtschreibfehlern übernommen werden, sonst ist er juristisch nicht bindend.
Die Daten aller restlichen Nutzer, die den AGB durch ihr Stillhalten zugestimmt haben, werden meist noch am selben Tag verkauft. "Normalerweise kommt immer gegen 17 Uhr ein zwielichtiger Adresshändler in der Facebook-Zentrale vorbei, dem wir direkt die persönlichen Daten all derjenigen verkaufen, die nicht widersprochen haben, während die Bilder an eine Stock-Photo-Agentur gehen", berichtet Wernicke. Anzügliche Bilder aus privaten Nachrichten werden hingegen standardmäßig einer Pornoseite aus Mexiko angeboten.
Heute war Wernicke besonders schnell und hat daher bereits 21 Profile geschafft. "Drei mit Widerspruch und 18 zum gnadenlosen Ausschlachten", erklärt er zufrieden. "Jetzt fehlen nur noch 27.999.979 weitere, bis ich mit allen durch bin." Anschließend muss Wernicke wieder von vorne anfangen. Immerhin kann nicht ausgeschlossen werden, dass bis dahin weitere Nutzer den Widerspruch gepostet haben.
ssi, dan; Fotos: Shutterstock
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