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Montag, 8. August 2016

"Eindeutig Teil der Gülen-Bewegung": Erdogan lässt seine Schwiegermutter verhaften

Ankara (dpo) - Die Schwiegermutter des türkischen Präsidenten Recep Erdogan ist heute in Ankara verhaftet worden. Laut Regierungsangaben handelt es sich bei der 79-jährigen Cemre G. um nicht weniger als einen der führenden Köpfe der Gülen-Bewegung. Ihr droht eine lange Haftstrafe.

"Man wünscht sich natürlich, dass die eigene Familie von so etwas verschont bleibt", verkündete ein sichtlich erschütterter Erdogan vor türkischen Journalisten. "Aber leider ist meine Schwiegermutter eindeutig Teil der Gülen-Bewegung. Das … äh hat der Geheimdienst heute herausgefunden."
Tapfer: Erdogan kann trotz der Verhaftung seiner Schwiegermutter schon wieder lächeln.
Insiderberichten zufolge wurde Cemre G. gestern Abend im Anwesen des Präsidenten festgenommen, kurz nachdem sie Erdogan erneut darauf hingewiesen hat, dass andere Autokraten einen viel größeren Palast haben und ihre "Tochter ja eigentlich jemand Besseres verdient hätte". Auch abfällige Bemerkungen über das schlecht ausgestattete Gästezimmer, in dem sie hausen müsse "wie die Schwiegermutter eines anatolischen Rübenbauern", seien gefallen.
"Es schmerzt mich sehr, dass sie jetzt so hart bestraft wird, aber in so einem Fall bin selbst ich als Präsident machtlos", so Erdogan. "Ich drücke meiner Schwiegermutter die Daumen, dass sie noch vor der Wiedereinführung der Todesstrafe verurteilt wird und mit einer lebenslangen Gefängnisstrafe davonkommt. Immerhin kann sie sich dann ganz auf ihre eigene Zelle konzentrieren und muss nicht ständig anderen vorschreiben, wie sie ihren Haushalt zu führen haben."
Der Fall von Cemre G. zeigt einmal mehr, in welchem Ausmaß die Gülen-Bewegung in der Vergangenheit das engere Umfeld Erdogans infiltrieren konnte. Erst vor drei Tagen wurde der 50-jährige Nachbar des Präsidenten, der vermutlich als Teil einer Spähaktion ständig laut seinen Rasen mähte, als Putschist entlarvt und von einem Spezialkommando verhaftet.
ssi, dan; Foto oben: Shutterstock, Foto unten: Gobierno de Chile
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