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Montag, 15. März 2010

Topfpflanze an Vernachlässigung gestorben

Gießen (dpo) - Schrecklicher Vernachlässigungsfall in Gießen! Am Sonntag alarmierten besorgte Anwohner die Polizei, nachdem eine am Fenster platzierte Topfpflanze im ersten Stock eines Mietshauses tagelang kein Lebenszeichen mehr von sich gab. Ein Sonderkommando stürmte daraufhin die Wohnung und nahm noch vor Ort die Besitzer der Pflanze, Kevin (23) und Selina B. (22), fest.

"Es war furchtbar", erklärte einer der sichtlich erschütterten Beamten. "Der Gummibaum war völlig blattlos und wohl schon seit Wochen tot. Warum entschließen sich Menschen immer wieder dafür, eine Zimmerpflanze zu haben, wenn sie eigentlich noch gar nicht dazu bereit sind, Verantwortung zu übernehmen?" Dem Postillon wurde weiterhin bestätigt, einige jüngere Polizisten hätten den Anblick nicht ertragen und sich noch am Tatort übergeben müssen.
Kurz vor dem Zugriff: Spezialkommando
Laut Obduktionsbericht von heute Morgen starb der Gummibaum an Mangel- bzw. Unterbewässerung. Und das obwohl sich nach Polizeiangaben in der Wohnung über 20 Liter in Flaschen abgefülltes Wasser (mit Kohlensäure versetzt) befanden sowie darüber hinaus ein voll funktionsfähiges Leitungswassersystem.
"Die B.s wirkten wie ganz normale Leute. Im Treppenhaus grüßten sie immer so freundlich", sagte eine Nachbarin, die lieber anonym bleiben will. "Einmal haben sie mich sogar eingeladen und mir anvertraut, bei ihrem Gummibaum handle es sich um einen Wunschgummibaum."
Die übrigen Pflanzen des Ehepaars B., eine Begonie, zwei Azaleen und ein Kaktus, hatten mehr Glück. Sie befinden sich in stabilem Zustand und wurden vorerst in die Obhut einer Gärtnerei übergeben.
Botaniker warnen schon lange, dass deutschlandweit Millionen Zimmerpflanzen von überforderten Heimgärtnern vernachlässigt werden und raten gerade jungen Paaren dazu, sich vor der Anschaffung intensiv beraten zu lassen. Darüber hinaus könnte die Einführung sogenannter "Pflanzenklappen", in die überforderte Besitzer ihre Schützlinge anonym ablegen können, dafür sorgen, dass sich Fälle wie der in Gießen nicht wiederholen.
ssi

Hinweis: Dieser Artikel erschien auch in Folge 1 der Postillon24 Nachrichten