Newsticker

Dienstag, 27. Juli 2010

Experiment geglückt: Einbahnstraße erstmals in Gegenrichtung befahren

Erlangen (dpo) - Wissenschaftlern der Universität Erlangen ist ein waghalsiges Experiment gelungen, das den Kraftfahrzeugverkehr revolutionieren könnte. Noch nie zuvor hat ein Mensch eine Einbahnstraße gegen die Fahrtrichtung befahren – bis heute. Testpilot sowie -fahrzeug trugen bei dem Versuch keine erkennbaren Schäden davon.

"Jahrzehntelang glaubte man, dass Einbahnstraßen nur in eine Richtung befahrbar sind", erklärt der Leiter des erfolgreichen Versuches, Prof. Dr. Paul Pichinger gegenüber dem Postillon. "Dieser Glaube wurde unter anderem durch blaue Schilder mit einem weißen Pfeil, aber auch durch ausschließlich in Fahrtrichtung geparkte Autos zementiert."
In jahrelangen Beobachtungen stellten die Wissenschaftler jedoch fest, dass Fußgänger sich in Einbahnstraßen - zumindest am Rand - sehr wohl gegen die Fahrtrichtung bewegen können.
"Wir begannen zu rechnen und stellten fest, dass physikalisch nichts dagegen spricht, dass sich auch Fahrzeuge gegen die Fahrtrichtung bewegen können", so Pichinger weiter. "Dennoch hatten wir großen Respekt, denn was in der Theorie klappen müsste, scheitert häufig an der Realität." Unter kontrollierten Bedingungen habe man dann ein Testfahrzeug mit einem professionellen Stuntman in eine abgesperrte Einbahnstraße geschickt.
Ist froh, dass er die Fahrt überlebt hat: Herrmann
"Ich war sehr nervös", berichtet Testpilot Sepp Herrmann. "Als ich in die Einbahnstraße hineinfuhr, rechnete ich damit, gegen eine unsichtbare Wand zu prallen oder langsamer zu werden und dann rückwärts wieder hinausgetrieben zu werden. Aber alles verlief ohne besondere Vorkommnisse."
Unter großem Jubel wurde Herrmann in seinem unbeschädigten Fahrzeug am Ende der Teststrecke empfangen.
In einem weiteren Schritt wollen die Wissenschaftler herausfinden, wozu ihre neuen Erkenntnisse gut sind. Laut Pichinger könnte man gegen die Fahrtrichtung befahrbare Einbahnstraßen vor allem als Abkürzung nutzen.
Auf die Erlanger Physiker wartet außerdem bereits ein neues Projekt. In einer Folgestudie wollen sie herausfinden, ob sich auch Autobahnen in Gegenrichtung befahren lassen.
ssi; Foto oben: Brian Snelson, CC BY 2.0