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Donnerstag, 7. Oktober 2010

Pro und Contra: Der Postillon erklärt Stuttgart 21

Stuttgart (dpo) - Seit einiger Zeit schwelt nicht nur der Streit um Stuttgart 21, das Prestigeprojekt der baden-württembergischen Landesregierung und der Deutschen Bahn, sondern auch der Kampf über die mediale Deutungshoheit. Das Ergebnis: Der uninformierte Beobachter weiß längst nicht mehr, wem er glauben und auf wessen Seite er sich schlagen soll.
Deshalb hat der Postillon, die Zeitung, die doppelt so neutral ist wie die Schweiz, recherchiert und präsentiert seinen Lesern exklusiv die wichtigsten Argumente der Bahnhofsbefürworter und -gegner:

Was spricht für Stuttgart 21?

Fahrtzeiten: Mithilfe des unterirdischen Durchgangsbahnhof können Züge künftig mit über 200 km/h durch Stuttgart durchrauschen und müssen nicht mehr minutenlang anhalten, um lästige Stuttgarter einsteigen zu lassen.
Foto (Sebastian Terfloth, cc-2.5): Kann Stuttgart künftig einfach links liegen lassen: ICE.

Verlässlichkeit: Das Projekt ist bereits parlamentarisch beschlossen. Jeder weiß, dass Parlamentsbeschlüsse (z.B. Afghanistankrieg) nie wieder geändert werden dürfen. Würde man das Projekt rückgängig machen, hätte das einen Riss im Raum-Zeit-Kontinuum und die sofortige Apokalypse zur Folge.
Bild: So stellte sich Albrecht Dürer den Abbruch des Bahnhofsbaus vor: Vier Reiter der Apokalypse.

Optik: Gegnern des Projekts, die befürchten, dass der Charm des alten, denkmalgeschützten Bahnhofs nach seiner Fertigstellung verloren geht, wurde der Wind aus den Segeln genommen. Damit sie den Anblick nicht ertragen müssen, bietet die Landesregierung an, ihnen die Augen mit Wasserwerfern kaputtzuschießen.
Foto (Petr Novák, Wikipedia): Wird sich gleich wundern: Auge.

Fazit: Wenn Stuttgart 21 nicht durchgesetzt wird, dann wird in Deutschland nie wieder auch nur eine Hundehütte gebaut werden.

Was spricht gegen Stuttgart 21?

Fluch des Manitu: Der geplante Durchgangsbahnhof würde zum Teil auf einem alten Indianerfriedhof stehen. Erhöhte Ektoplasmawerte lassen befürchten, dass etwa im Stundentakt eine Welle Blut durch die Bahnhofshalle schwappen wird.
Foto: Schwappt: Welle Blut.

Zu teuer: Die Kosten explodieren. Seit Beginn des Projekts 1994 sind die Kosten von anfangs 2 Euro 50 auf insgesamt 24 Fantastilliarden Euro und 79 Cent angestiegen - eine Zahl, deren Nullen aneinandergereiht bis zum Mond, einmal außenherum und wieder zurück auf die Erde reichen.
Foto: Viel zu viele dieser Banknoten müssen in das Projekt gesteckt werden - und die kosten bis zu 200 Euro das Stück!

Tierschutz: Der Bau des neuen Bahnhofs gefährdet vom Aussterben bedrohte Tierarten wie den Juchtenkäfer, den Zugvogel, die Kopfbahnhofwollwanderschnecke und den zwei Meter großen scharfzähnigen Mannstöter, der derzeit zwischen Gleis 6 und 7 haust.
Foto: Stirbt, wenn er keine Bahnpassagiere mehr zu fressen bekommt: scharfzähniger Mannstöter.

Fazit: Wenn Stuttgart 21 durchgesetzt wird, dann leben wir künftig in einer Diktatur.

Update, 7.10.2010, 18:04: Vielleicht hat Schlitzohr Heiner Geißler (CDU) mit der Aushandlung eines Baustopps (oder auch nicht) das Unmögliche möglich gemacht. Eine permanente Baustelle könnte der einzige sinnvolle Mittelweg sein.

ssi; Foto: Musklprozz, CC BY-SA 3.0