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Mittwoch, 3. November 2010

Hilfe für überforderte Angehörige: Köln richtet erste Seniorenklappe ein

Köln (dpo) - Gute Nachrichten für überforderte Angehörige! Aufgrund der zunehmenden Überalterung der Gesellschaft wurde in Köln die deutschlandweit erste Seniorenklappe eingerichtet. Dort können seit zwei Wochen alte Menschen, die ihrer Familie zur Last fallen, anonym abgegeben werden.

"Immer häufiger wurden Senioren ausgesetzt oder sogar heimlich getötet, während die Zahl der ausgesetzten Säuglinge spürbar zurückging", erklärt Melanie Schmidt vom Caritasverband, der die Klappe betreibt. "Wer seinen pflegebedürftig gewordenen Vater oder seine ständig schreiende und sabbernde Mutter hier hineinlegt, kann sich jedoch sicher sein, dass sie in besten Händen sind."
Die Klappe führt direkt in ein Wärmebett, das die alten Menschen vor Erfrierungen schützt. "Es stammt immer noch aus der Zeit, als das hier eine Babyklappe war", sagt Schmidt dem Postillon-Reporter. "Glücklicherweise sind die alten Leute schon so verschrumpelt, dass sie da einwandfrei hineinpassen."
In dieses Bettchen fallen die Senioren
Durch das Wiederverschließen der Klappe wird ein elektronischer Alarm ausgelöst und Hilfe im Inneren des Gebäudes herbeigerufen. "Dann werden die Senioren aufgepäppelt und vor einen Fernseher gesetzt, auf dem nur ZDF läuft", so Schmidt weiter. "Sie sollten mal sehen, wie sich die kleinen Wonneproppen dann freuen." Anschließend kommen sie in ein Heim.
Kritik, dass es die Seniorenklappe Angehörigen zu leicht mache, ungeliebte Eltern oder Großeltern loszuwerden, weist Schmidt entschieden zurück: "Es besteht die Möglichkeit, es sich auch danach noch anders zu überlegen. Seit es die Seniorenklappe gibt, wurden immerhin 19 der 47 abgegebenen Rentner wieder zurückgeholt. Außerdem: Wenn durch unser Angebot auch nur ein Leben gerettet wird, hat es sich schon gelohnt."
ssi; Foto oben: MrsMyerDE, CC BY-SA 3.0, Foto rechts: Mikepanhu



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