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Donnerstag, 10. Februar 2011

Beteiligte wissen nicht mehr, worum es im Kachelmann-Prozess eigentlich geht

Ahnungslos von links nach rechts: Schwenn, Seidling, Kachelmann, Schwarzer.
Mannheim (dpo) - Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz haben die Beteiligten des sogenannten "Kachelmann-Prozesses" heute eingeräumt, dass aufgrund zahlreicher Ablenkungsmanöver, Überraschungszeugen, Gutachten und Anwaltswechsel keiner von ihnen mehr weiß, worum es bei dem Gerichtsverfahren eigentlich ursprünglich ging.

Richter Michael Seidling, der das Verfahren leitet, gab zu: "Der Prozess läuft schon so lange, da kann man schon mal vergessen, was der eigentliche Verhandlungsgegenstand war." Seidling ist sich jedoch sicher, dass es um ein größeres Verbrechen ging, etwa Mord oder bewaffneter Raubüberfall: "Sonst würden wir uns sicherlich nicht so lange damit aufhalten."
Auch der Anwalt von Jörg Kachelmann, Johann Schwenn, weiß schon lange nicht mehr, was er eigentlich tut. "Das einzige, worin ich mir ganz sicher bin, ist, dass ich der Anwalt von Jörg Kachelmann bin und dass sich alles um ihn dreht. Das sagt ja schon der Name 'Kachelmann-Prozess'", erklärte der Star-Anwalt. "Ich weiß allerdings nicht, ob ich Kachelmann verteidige oder jemanden in seinem Namen verklage." Schwenn gab überdies zu, dass er, um seine Unwissenheit zu überdecken, schon seit Monaten die unglaublichsten Zeugen aufruft.
Zeugen wie die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer: Die Gründerin und Herausgeberin der Zeitschrift Emma hatte die Aussage allein aus dem Grund verweigert, weil sie nicht wusste, zu welchem Thema sie überhaupt aussagen sollte. "Dass ich keine Ahnung habe, kann man regelmäßig in meiner Prozessberichterstattung in der Bild lesen. Ich weiß nur noch, dass ich den Kachelmann nicht ausstehen kann. Vermutlich hat er mir irgendetwas Furchtbares angetan", so Schwarzer. "Ich bin hier das Opfer! Glaube ich zumindest..."
Kachelmann selbst blieb angesichts der unübersichtlichen Lage entspannt: "Ich bin mir sicher, wir können alles, was bislang geschehen ist, in den Boulevardmedien nachlesen, die von Anfang an jeden einzelnen Prozesstag verfolgt haben. Die haben bestimmt sachlich darüber berichtet. Vielleicht kann ich dabei auch herausfinden, wer diese Frau ist, die mich immer so wütend ansieht." Kachelmann selbst ist, auch wenn er nicht weiß warum, nur eines wichtig: Er möchte auf keinen Fall nach Schweden ausgeliefert werden.
ssi; Foto rechts oben: Einer der vielen Überraschungszeugen neben dem Geist der vergangenen Weihnacht und dem Papst: O.J. Simpson; Foto links: Bei diesem Hammer könnte es sich um die Mordwaffe handeln, falls es um einen Mord geht; Foto rechts unten: Netzaktivisten glauben, dass es im Kachelmann-Prozess nur darum geht, der Enthüllungsplattform WikiLeaks zu schaden.