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Donnerstag, 7. Mai 2015

"Schluss mit 6 bis 99!": Über-100-Jährige demonstrieren gegen Spielverbot

Ravensburg (dpo) - In Ravensburg haben gestern Nachmittag mehrere über-100-jährige Frauen und Männer auf offener Straße gegen ein Spielverbot demonstriert. Sie fühlen sich nach eigenen Angaben von den Herstellern vieler Gesellschaftsspiele diskriminiert, da das zulässige Alter auf zahlreichen Spielverpackungen mit "bis 99 Jahre" angegeben ist.

"Phase 10 Junior" ist eines der vielen für Über-100-Jährige verbotenen Spiele.
Eine der Unzufriedenen ist Hedwig Schreier. Sie entschloss sich, trotz schwerer Arthrose auf die Straße zu gehen, nachdem sie mit ihrer 15-jährigen Urenkelin das beliebte Brettspiel "Mensch ärgere dich nicht" spielen wollte. "Plötzlich las ich auf der Verpackung, dass ich dieses Spiel überhaupt nicht mehr spielen darf, weil ich über 99 bin", so die 103-Jährige entrüstet. Zuletzt habe sie das Spiel vor über 20 Jahren mit ihrer Enkelin gespielt. "Damals gab es keinerlei Probleme. Ich konnte ja nicht ahnen, dass ich irgendwann mal zu alt für dies Spiel sein würde."
Ähnlich erging es dem Rentner Ulrich Habermann. Zu seinem 100. Geburtstag im vergangenen Jahr bekam er das Spiel "Malefiz" geschenkt. Doch während die Familie sich zusammensetzte und die Anleitung durchlas, bemerkte sein Sohn, dass Haberman mit seinen 100 Jahren ein Jahr über dem zulässigen Höchstalter lag. "Ich habe dann vom Sofa aus zugeschaut, wie die Familie mein Spiel genoss", so der ehemalige Schiffsbauer traurig.
Um derlei Demütigungen und Ausgrenzungen zukünftig zu verhindern, verschafften sich die Senioren auf dem Ravensburger Gespinstmarkt mit leisem Geschrei und rhythmischen Gehstock-Schlägen auf ihre Rollatoren Gehör. "Auch wir Ältere haben schließlich noch ein Recht auf Spaß", erklärte einer der Demonstranten (101).
Weniger Verständnis hatte allerdings die örtliche Polizei. Nach nur zehn Minuten lösten die Beamten den Protestzug durch die Innenstadt schließlich mit Wasserwerfern und Tränengas auf und nahmen die insgesamt neun Demonstranten vorübergehend in Gewahrsam.
jme (EZ); Foto oben [M]: Shutterstock, Foto rechts: Hersteller
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