28. Oktober 1845
Der mehrfach vorbestrafte gebürtige Mittelfranke Stephan Siechermann stellt fest, dass sich seine reine Werbebroschüre deutlich besser verkauft, wenn zwischendurch aktuelle Geschichten eingestreut werden. Um an heiße Storys zu kommen lässt er sich von durchreisenden Postillonen den neuesten Klatsch und Tratsch aus dem Reich (eine der ersten Reportagen ist ein Porträt des Volksschauspielers Johannes "Jopi" Heesters (43)) berichten. Der Postillon ist geboren.
1848/49
Der Postillon fasst die Deutsche Revolution von 1848/49 unter folgender Kurznachricht zusammen: "Chaoten randalieren"
1870/71
Die Zeitungen Der Postillon und Le Postillon (französischsprachige Ausgabe des Postillon) lösen den Deutsch-Französischen Krieg durch einen Übersetzungsfehler in einem Bericht über Froschschenkel aus.
1877
Im April trifft eine Newstickermaschine aus Übersee in der Redaktion ein. Nachdem die IT das Gerät im November endlich angeschlossen hat, läuft auch schon die erste Nachricht über den Äther:
++++ Newstickergerät angeschlossen: Erste Nachricht läuft über den Äther ++++
31. Dezember 1899
Der Postillon berichtet über einen Virus, den sogenannten Century-Bug, der in der Nacht vom 31.12.1899 auf den 1.1.1900 sämtliche Dampfmaschinen und Zahnräder im Land zum Stehen bringt. Nichts dergleichen passiert.
1923
Der Postillon sticht während der großen Inflation lästige Konkurrenzblätter durch Kampfpreise aus, indem er für nur schlappe 923 Mark (Anfang August), 177.500 Mark (Ende August) 2,1 Millionen Mark (Anfang September) bzw. 320 Milliarden Mark (November) am Kiosk verkauft wird.
30. Januar 1933 bis 7. Mai 1945
Fünf Minuten nach der Machtergreifung Adolf Hitlers nennt sich der Postillon am 30. Januar in Völkischer Stürmer um und ist damit die erste gleichgeschaltete Zeitung des dritten Reichs. Unvergessen aus dieser Zeit sind Reportagen wie "Niemand hat die Absicht, Polen anzugreifen" (30.8.1939), "Russische Winter immer milder" (22.6.1941) und "Eva Braun - Warum hat sie so viel Glück mit den Männern?" (28.4.1945).
8. Mai 1945
Fünf Minuten nach der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands nennt sich der Völkische Stürmer wieder in Postillon um und wird als erste überregionale Tageszeitung von den Alliierten Besatzungsmächten lizensiert.
7. Oktober 1949
Durch die Gründung der DDR spaltet sich der Postillon in den Westillon und den Ostillon auf.
25. April 1983
Das Magazin "Stern" schnappt dem Westillon die Hitler-Tagebücher für schlappe 9,3 Millionen DM vor der Nase weg.
3. Oktober 1990
Westillon und Ostillon vereinigen sich wieder zum Postillon. Die Anfangs versprochenen blühenden Presselandschaften im Osten stellen sich Jahre später als leeres Versprechen heraus.
10. September 2001
Der Postillon macht mit der Schlagzeile "Islamistischer Terrorismus auch nicht mehr das, was er mal war" auf und stellt fest, dass man lange nichts mehr von Osama bin Laden und seinen Freunden gehört hat.
28. Oktober 2008
Anlässlich des 163. Jubiläums geht der Postillon als letzte große Tageszeitung online.
24. Mai 2012
Die Postillon24 Nachrichten gehen erstmals auf Sendung.
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