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Dienstag, 20. März 2018

Satiriker scheitern kläglich daran, Witz darüber zu machen, dass Olaf Scholz einen Goldman-Sachs-Investmentbanker ins Finanzministerium holt

Fürth (dpo) - Ein Redaktionsraum voller Satiriker ist kläglich daran gescheitert, einen guten Witz-Artikel darüber zu verfassen, dass Olaf Scholz (SPD) mit Jörg Kukies einen Investmentbanker von Goldman Sachs als Staatssekretär ins Bundesfinanzministerium beruft. Einen Nachmittag lang versuchten die Berufshumoristen, die Nachricht auf satirische Weise zu überspitzen oder auf andere Art pointiert darzustellen – vergeblich.

"Olaf Scholz stellt Einbrecher als Wachmann ein – wie wäre das?", fragt ein Redakteur in die Runde. "Nee, wir hatten schon was mit Bock und Gärtner, als Theresa May Boris Johnson als Außenminister holte", antwortet der Chefredakteur mürrisch.
"SPD inzwischen offenbar alles Wurscht" – "Zu ehrlich."
"'Wir haben einen im Finanzministerium!': Ausschweifende Party in Goldman-Sachs-Zentrale" – "Joa, schon nah dran, aber das isses noch nicht."
"Olaf Scholz vergibt restliche noch offene Posten an Darth Vader, Sauron und Voldemort" – "Och nee, das kommt mir irgendwie alt vor."
"Rekordübernahme: Goldman Sachs schluckt Bundesfinanzministerium" – "Nicht witzig genug, Alex."
"Wie wäre es denn, wenn wir einfach die Wahrheit vermelden?", so einer der Redakteure nach seiner siebten Tassen Kaffee. "Nein! Das haben wir schon 2015 bei Pofalla gemacht, das käme wie ein mieser Abklatsch", antwortet der Chefredakteur, während er schon wieder einen Bleistift in der Mitte durchbricht.
"Aber irgendwas muss da doch gehen, oder?", stöhnt ein weiterer erschöpfter Redakteur und liest von seinem Notizblock ab: "Olaf Scholz sichert sich Koks-Vorrat auf Lebenszeit? Nee, das merk ich schon selbst, dass das scheiße ist."
Eine Redakteurin, die bislang noch nichts gesagt hat, räuspert sich: "'Huch!': Von Olaf Scholz ins Finanzministerium geholter Goldman-Sachs-Investmentbänker hat komplette Steuereinnahmen von 2018 auf die Erdnussernte in Brasilien gesetzt und verloren" – "Ist das die Schlagzeile oder schon der ganze Artikel? Bisschen zu lang, oder?"
"Das Problem ist doch, dass die Nachricht an sich so absurd ist, dass man sie eigentlich gar nicht mehr überspitzen kann", wendet ein Redakteur ein, was der Chefredakteur wirsch abbügelt: "Da muss es was geben. Außerdem regt das Thema die Leute sicher mindestens so auf wie die Spahn-Geschichte. Ich sag nur Klicks, Klicks, Klicks! Also weiterüberlegen!"
"Finanzminister Scholz verlegt neuen Amtssitz in Deutsche-Bank-Zentrale" – "Püh, naja. Eher nicht."
"Bürger erleichtert, dass ihre Steuergelder künftig in Händen von Investmentbanker liegen" – "Nee. Das fordert zu viel Hintergrundwissen. Ihr wisst doch, wie dumm unsere Leser sind."
"Kleiner Timmy (9) …" – "Nee."
"SPD-Anhänger kann sich gar nicht erinnern, dass er Goldman Sachs ins Finanzministerium gewählt hat" – "Hmja, vielleicht, bisher am besten, aber irgendwie knallt das auch noch nicht richtig."
"Olaf Scholz: 'MUAHAHAHAHAHAHA! Ich habe einen Goldman-Sachs-Chef ins Finanzministerium geholt und niemand kann dagegen etwas machen!'" – "Ist das jetzt ein Vorschlag oder ein echtes Zitat?"
Schließlich schlägt ein entkräfteter Redakteur vor: "Und was, wenn wir einfach unsere kläglichen Bemühungen aufschreiben? Schlagzeile irgendwie: Satiriker scheitern kläglich daran, Witz darüber zu machen, dass Olaf Scholz einen Goldman-Sachs-Investmentbanker ins Finanzministerium holt oder so. Das macht doch auch irgendwie den Punkt, dass das krass ist, oder?" "Puh", so der Chefredakteur und blickt auf die Uhr. "Auch nicht so wirklich toll, aber es ist schon fast 5 Uhr und mein köstliches Gulasch wird kalt. Insofern: Schreibt's schnell runter. Praktikant! Schal, Mütze und Mantel! Zack zack!"
ssi, dan; Foto: Shutterstock
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