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Mittwoch, 11. September 2019

Sommelier gibt zu: Alle Weine schmecken exakt gleich

Hamburg (dpo) - Erschüttert diese brisante Enthüllung das ganze Gastronomiegewerbe? Ein Sommelier aus Hamburg bricht nach Jahren sein Schweigen und enthüllt: Alle Weine schmecken ziemlich genau gleich. Selbst der Unterschied zwischen Rot- und Weißwein ist demnach nicht einmal für Kenner herauszuschmecken.

"Ich bin froh, dass es jetzt raus ist", erklärt der erfahrene Sommelier Erik Stöcker dem Postillon, während er ein Weinglas in seiner Hand schwenkt. "Wenn man wie ich mehr als 15 Jahre lang in diversen Nobelrestaurants gearbeitet hat und seinen Lebensunterhalt damit verdient, Weinen die exotischsten Geschmacksnoten anzudichten, ist es natürlich nicht leicht, das zuzugeben. Aber ich will diese Lüge einfach nicht länger leben."
Dabei ist es laut dem Sommelier völlig egal, wie alt oder wie teuer ein Wein ist, ob man ihn vor dem Trinken atmen lässt und ob man ihn aus dem richtigen Glas, aus der Flasche oder mit Strohhalm trinkt. "Das ändert überhaupt nix. Wenn ich ein Frühstücksei nach dem Pellen atmen lasse oder aus einem edlen Eierbecher esse, dann schmeckt es auch nicht besser."
Er deutet auf das Glas in seiner Hand: "Hier ist auch schon das beste Beispiel. Ein Chateau Haut Brion 1er Cru von 2017 im Wert von 475 Euro pro Flasche" Stöcker nimmt einen Schluck und schließt die Augen. "Vergorene Trauben mit Alkoholnote. Im Nachgang traubige Trauben. Mehr ist da nicht zu erkennen. Wie denn auch? Es sind eben vergorene Trauben. Die schmecken natürlich auch nach vergorenen Trauben. Oder wie ich früher immer behauptet habe: 'torfig, verführerische Nuancen von Veilchen, Darjeeling und Mokka'" Er überlegt kurz und fängt an zu kichern. "Im Finale eine Symphonie aus Wildkirschen, Palisandernoten und Graphit. Oder eben Schmieröl, Radieschen und Hornhaut. Das ist beliebig austauschbar."
Rot, weiß, lieblich, trocken - alles dieselbe Plörre
Dass er sich mit seiner Enthüllung keine Freunde macht, ist Stöcker bewusst: "Meinen Job bin ich wahrscheinlich jetzt los und alle Weinkenner der Welt werden mich hassen und behaupten, dass ich keine Ahnung habe. Aber ich rate allen Zweiflern, diesen vermeintlichen Kennern mal eine Flasche edlen Wein hinzustellen, deren Inhalt aber in Wahrheit aus dem Tetra-Pak kommt, und um eine Einschätzung zu bitten."
Auf die Frage, warum er und viele andere Sommeliers denn überhaupt je diesen Beruf ergriffen haben, entkorkt Stöcker eine Flasche Aldi-Wein mit den Zähnen, spuckt den Korken auf den Boden, nimmt einen tiefen Schluck und zuckt dann mit den Schultern. "Wir saufen einfach gern."
ssi, dan; Fotos: Shutterstock
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