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Dienstag, 12. November 2019

Süßigkeitenhersteller nennt Adventskalender "Jahresendüberraschungstürchen", damit AfD-Politiker gratis dafür Werbung machen

Leinfelden-Echterdingen (dpo) - Clever! Mit einem simplen Trick will sich der Süßwarenhersteller Schleck GmbH aus Leinfelden-Echterdingen das Werbebudget für seinen neuen Schokoladen-Adventskalender sparen: Wie die Firmenleitung gegenüber dem Postillon bestätigte, habe man den Kalender "Jahresendüberraschungstürchen" genannt, damit AfD-Politiker in den sozialen Netzwerken kostenlos Werbung für ihn machen.

"Wir sind nur ein kleiner Süßigkeitenhersteller und haben entsprechend auch nicht viel Geld, das wir in Werbung investieren können", erklärt Marketing-Chefin Kathrin Bechold. "Die einzige Chance, unser Produkt wirklich bekannt zu machen, besteht für uns darin, die Medienmacht von AfD-Politikern und ihren Anhängern zu nutzen."
Der Name "Jahresendüberraschungstürchen" sei bewusst gewählt, um zu provozieren. "Unsere Marktforschung ergab, dass diese Wortkombination AfD-Anhänger, Nazis und Patrioten besonders verlässlich zur Weißglut treibt." Zusätzlich habe man sich dafür entschieden, einen Weihnachtsmann mit dunkler Hautfarbe abzubilden.
Nun hofft die Firma aus Baden-Württemberg auf einen veritablen Shitstorm. Und tatsächlich: Erste Bilder der "Jahresendüberraschungstürchen" kursieren bereits in den sozialen Netzwerken.
"Was sol das!??!! Kniefall vor dem Islan!!!! Und warum ist der Weinachtmann ein Neger!?", schreibt etwa ein Administrator der Facebook-Gruppe "Deutsche Patrioten Düsseldorf". Und der AfD-Bundestagsabgeordnete Stephan Brandner echauffiert sich.
"Perfekt!", freut sich Bechold. "Das ist ein sehr guter Anfang. Hoffentlich trendet bald #Jahresendüberraschungstürchen. Dann dauert es nicht mehr lange, bis die ersten überregionalen Zeitungen darüber berichten."
Angeheizt von den empörten Kommentaren schnellen die Verkaufszahlen im Online-Shop des Süßwarenherstellers schon jetzt in die Höhe. Auch eine namhafte Supermarktkette will den Kalender in ihr Sortiment übernehmen.
"Wenn wir ganz großes Glück haben, erhalten wir sogar bald ein paar anonyme Morddrohungen oder es gibt gar einen Anschlag auf unsere Firma", so Bechold. "Das wäre aus Marketingsicht natürlich der Jackpot. Denn auf diese Weise erreichen wir auch Menschen mit antirassistischer Einstellung."
Um ganz sicher zu gehen, planen die Marketingexperten der Schleck GmbH nun, jeden ihrer Adventskalender noch mit einem gut erkennbaren "halal"-Sticker zu versehen und ein Foto davon auf allen Kanälen zu posten.
pfg, ssi, dan; Foto [M]: Shutterstock

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