München (dpo) - Die Schließung der Straße von Hormus macht es wieder einmal schmerzhaft klar, wie anfällig die weltweite Energieversorgung ist. Doch auch nach Jahrzehnten intensiver Forschung bleibt ein Geheimnis ungelüftet: Warum entstehen Öl- und Gasfelder fast immer ausgerechnet in Krisengebieten? Die Frage gilt als eines der letzten großen Rätsel der Geologie.
"Die Korrelation ist bemerkenswert", erklärt die Geologin Tanja Rütten von der Technischen Universität München. "Egal, auf welchem Erdteil man sucht: Fossile Bodenschätze finden offenbar in politisch instabilen Regionen die besten Gegebenheiten vor."
Was steckt dahinter? Woher wussten Öl und Gas, die vor Jahrmillionen entstanden, um die machtpolitischen Umstände im frühen 21. Jahrhundert Bescheid? Müssen die Gesetze der Physik neu gedacht werden?
Bekannt ist lediglich, dass die Größe der Ölfelder mit der Heftigkeit der Krisen zu korrelieren scheint. Besonders große Vorkommen gibt es etwa in Venezuela, im Iran, im Irak oder in der Ostukraine.
In der Vergangenheit gab es immer wieder Experimente, um das Rätsel zu lösen: So versuchte etwa ein finnisches Forscherteam in einem Gebiet von 10 Quadratkilometern im Norden Lapplands mithilfe von 1000 Schauspielern ein künstliches Krisengebiet mit Diktator, regelmäßigen Explosionen und Schikanen gegen die Bevölkerung zu schaffen. Doch als man ein Jahr später dort nach Öl bohrte, fand man wider Erwarten nichts.
Beweisen konnte das Experiment also lediglich, dass Öl- und Gasfelder offenbar zwischen echten und fingierten Krisengebieten unterscheiden können. Sicher ist nur, dass auf dem Gebiet noch viel Forschungsarbeit nötig ist.
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