Koblenz (dpo) - Jetzt muss er sich nicht länger abquälen: In einem Pflegeheim in Mainz hat eine 92-jährige Frau heute Gift ins Essen eines Altenpflegers gemischt. Die Frau wollte den 29-Jährigen nach eigenen Angaben von seinem Leid erlösen.
"Ich bin erleichtert, dass er jetzt an einem besseren Ort ist", rechtfertigt Gerda Sievers die Tat, bevor sie von der Polizei abgeführt wird. "Er sah immer so gestresst und ausgebrannt aus. Das konnte ich einfach nicht mehr mitansehen. Ich wollte einfach, dass er friedlich einschläft." Deshalb habe sie dem Pfleger eine Portion Nudeln serviert, in die sie zuvor tödliches Gift gemischt habe.
Vorerst befindet sich die 92-Jährige in Untersuchungshaft. Sie selbst gibt an, der 29-Jährige habe in der Vergangenheit wiederholt den Wunsch geäußert, zu sterben, wenn er auf der Arbeit mal wieder komplett überlastet war – und das bei einer Bezahlung, die kaum zum Leben reicht.
Derzeit prüfen die Ermittler, ob dies zutrifft – dann wäre der Fall womöglich nicht als Mord, sondern als Tötung auf Verlangen einzustufen.
Zu denken gibt den Behörden jedoch, dass nach einer ersten Auswertung in den vergangenen Jahren eine ungewöhnliche Häufung von Todesfällen beim Pflegepersonal der Koblenzer Einrichtung auftrat. "Es liegt also der Verdacht nahe, dass wir es hier mit einer Serientäterin zu tun haben", so eine Sprecherin der Polizei, die jedoch keine weiteren Details nennen möchte.
Doch bereits jetzt dürfte der Fall der Debatte um ein würdevolles Sterben in Deutschland neue Relevanz verleihen. Aktivisten fordern schon länger, dass bei unerträglichen Lebensumständen wie etwa extremen chronischen Schmerzen, Spätverläufen tödlicher Krankheiten oder heftiger finanzieller Ausbeutung durch Arbeitgeber ein selbstbestimmtes Sterben in Würde möglich sein soll.
swo, dan, ssi; Foto: Shutterstock
