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Mittwoch, 27. März 2019

Axel Voss im Interview: "Ich hoffe, dass diese demonstrierenden Bots jetzt alle wieder ins Internet zurückgehen"

Wirft man einen Blick ins Internet, so hat man schnell den Eindruck, es mit dem wohl meistgehassten Mann Europas zu tun zu haben. Die Rede ist vom CDU-Politiker Axel Voss, der federführend dafür verantwortlich war, die EU-Urheberrechtsreform durchzusetzen. Dem Postillon stand er in einem Interview Rede und Antwort:

Der Postillon: Herr Voss, als Initiator der umstrittenen Urheberrechtsreform haben Sie insbesondere im Internet große Ablehnung erfahren.
Axel Voss: Ja, das war teilweise ganz schön viel. Ich wurde sogar auf Twitter beschimpft. Das ist sicherlich vor mir überhaupt noch niemandem jemals passiert.
Postillon: Warum musste das Urheberrecht denn aktualisiert werden?
Voss: Es kann nicht sein, dass sich die Leute einfach auf Napster ganze Alben runtercybern, ohne auch nur einen Cent an die riesigen Konzerne zu zahlen, die versuchen, die Rechte von Urhebern zu Geld zu machen!
Postillon: Manche Ihrer Kritiker sagen, Sie hätten keine Ahnung vom Internet. Ist da was dran?
Voss: Das ist natürlich völliger Bot-Unfug. Ich habe wie die meisten Bürger zu Hause ein eigenes Internet, das ich auch regelmäßig benutze, wenn der Teletext ausfällt. Ich nutze dafür so eine AOL-CD, die ich seit den späten 90ern habe und auf der noch ein paar Freistunden drauf sind. Googeln Sie mal in der Bildersuche "Axel Voss Internetexperte". Raten Sie mal, wessen Gesicht da als erstes auftaucht.
Postillon: Sie sprachen zuletzt nicht mehr von Uploadfiltern, sondern von einer Erkennungssoftware. Was ist der Unterschied?
Voss: Jetzt, da wir die Abstimmung hinter uns haben, kann ich natürlich wieder Uploadfilter sagen.
Postillon: Wie sollen denn diese Uploadfilter funktionieren? Kritiker befürchten ja, es werde zu viel gefiltert.
Voss: Sehen Sie, das ist wie bei einem Zigarettenfilter. Da kann man eigentlich gar nicht zu viel filtern. Erst durch den Filter werden Zigaretten ja gesund. Und genauso wie Zigaretten kann man auch YouTube-Videos selbst drehen. Das schont den Geldbeutel und sieht cooler aus. Ein anderer Vergleich: Würden Sie Kaffee ohne Filter trinken? Die Antwort lautet natürlich nein. Wer möchte schon den ganzen Kaffeesatz zwischen den Zähnen haben? Genauso ist es mit dem Internet.
Postillon: Waren Sie denn nicht überrascht, dass trotzdem so viele Menschen in den letzten Tagen auf die Straße gegangen sind, um gegen Uploadfilter zu demonstrieren?
Voss: Das war schon beeindruckend, aber zum Glück waren das ja keine echten Menschen, sondern nur Bots von Google, Facebook und StudiVZ, die fürs Demonstrieren auch noch Geld bekommen haben. Die sehen täuschend echt zum Teil aus, sind aber eben doch nur digitale Maschinen ohne Herz und Verstand. Ich hoffe, dass die jetzt alle wieder zurück ins Internet gehen. Stellen Sie sich vor, das wären echte Menschen gewesen! Wir müssten ja bei den Europawahlen zittern.
Bots bei einer Demo in Köln:
Postillon: Die Demonstrierenden stehen also alle im Dienst der Tech-Konzerne?
Voss: Sehen Sie, Google, Facebook, MySpace und Co. sind ja steinreiche Unternehmen. Die können sich jede beliebige Menge an Bots kaufen und auf die Straße stellen. Dagegen sind die armen Verlage machtlos. Die können sich eben nur ein paar EU-Parlamentarier kaufen, für mehr langt es nicht. Es war von Anfang an ein Kampf mit unfairen Mitteln. Gut, dass am Ende das Licht gegen die Dunkelheit gesiegt hat!
Postillon: Licht gegen Dunkelheit?
Voss: Ja, durchaus. Wir haben es gerade noch einmal verhindert, dass dunkle Tech-Imperien und ihre Armeen unsere kleinen sympathischen Verlagsgruppen vernichten und auslöschen, indem sie Überschriften von ihnen weiterverbreiten. In gewisser Weise bin ich der Frodo des Urheberrechts, nur ohne Laserschwert. Machen Sie doch da mal ein Meme dazu, solange Sie es noch können. Kleiner Scherz natürlich. LOL, wie man im Netz sagt.
Postillon: Haben Sie denn gar keine Sorge, dass die CDU in den letzten Tagen viele Jungwähler dauerhaft vergrault hat?
Voss: Langsam werden diese Fragen aber verdächtig. (Er zeichnet krakelige Buchstaben auf einen Notizblock) Lesen Sie doch mal bitte vor!
Postillon: Ähm… j C 3 ? 4 u K. Stimmt das?
Voss (deutet auf sein Gesicht): Wie viele Autos sehen Sie hier?
Postillon: Wie meinen… äh…
Voss: Schon gut, das war eine Fangfrage. Sie scheinen kein Bot zu sein, da bin ich erleichtert. Sonst hätte ich Sie neutralisieren müssen.
Postillon: Äh… Ja. Was sind jetzt die nächsten Schritte nach der Umsetzung der Urheberrechtsreform?
Voss: Wir warten jetzt erstmal ab und schauen, ob es uns wirklich gelungen ist, das Internet kaputt zu machen, wie unsere Gegner behauptet haben. Wenn nicht, müssen wir da zeitnah nachbessern. Ob ich selbst langfristig noch politisch aktiv sein werde, weiß ich aber noch nicht.
Postillon: Sie denken an Rückzug?
Voss: Ja. Dank der Urheberrechtsreform, die soeben verabschiedet wurde. Grob überschlagen kann ich von den Tantiemen für alle Memes mit meinem Gesicht ein komfortables Leben führen.
Postillon: Vielen Dank für das Gespräch.
Voss: Um wieviel Uhr genau wird das Interview heute im Internet gesendet? Ich will es nicht verpassen.
Foto: dpa
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