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Montag, 1. Juli 2019

Bademeister überlegt, ob er Ertrinkenden rettet oder ob das Schlepperei wäre

Reutlingen (dpo) - In einem echten moralischen Dilemma befindet sich derzeit Bademeister Thorsten Staiger: Während im Becken vor ihm ein Badegast verzweifelt um sein Leben kämpft, überlegt Staiger fieberhaft, ob er juristische Probleme wegen Schlepperei bekommen könnte, wenn er den Ertrinkenden rettet.

"Ich meine, einerseits ist es mein Job und auch grundsätzlich sollte man Menschen in Not helfen", räsoniert Staiger. "Aber andererseits hat sich der Mann selbst in die Situation gebracht, als er ins tiefe Schwimmerbecken gegangen ist und wenn ich ihn jetzt raushole: Ermutigt das nicht andere, sich in eine ähnlich gefährliche Situation zu bringen?"
Schon seit Langem wird in Online-Foren und sozialen Netzwerken diskutiert, ob der Einsatz von Bademeistern nicht am Ende zu mehr Toten führt, als wenn Becken, Strände und Badeseen unbeaufsichtigt bleiben. Immerhin ertrinken Jahr für Jahr deutschlandweit im Schnitt 500 Menschen. Müssten womöglich weniger sterben, wenn es keine Bademeister gäbe und dadurch ein gewisser Abschreckungseffekt eintreten würde?
Er versucht, einen Blick auf das Gesicht des Ertrinkenden zu erhaschen. "Mensch, so wie der zappelt, kann ich nicht mal erkennen, ob er wie ein Deutscher aussieht oder wie ein Ausländer. Wie soll ich denn jetzt wissen, ob es richtig ist, ihn zu retten?"
Inzwischen hat eine Schwimmerin den Mann in Not bemerkt und hält ihn nun mühsam über Wasser. Die beiden bewegen sich langsam auf den Beckenrand zu. "Verdammt, verdammt!", keucht Staiger. "Darf ich die jetzt anlegen lassen oder ist das illegal? Immerhin war der andere Beckenrand näher."
Er schiebt die Frau mit einem Stock, der eigentlich dazu da ist, Ertrinkende zu retten, wieder zurück in die Mitte des Beckens. "Bitte bleiben Sie im Wasser, bis ich das mit der Schwimmbadleitung klären konnte."
ssi, dan; Idee: sum; Foto: picture alliance/Jens Büttner/dpa-Zentralbild/ZB
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