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Leben von langjährigem "Merkel muss weg!"-Schreier plötzlich kalt und leer

Gotha (dpo) - Seit über einem Jahrzehnt hat er das Ende der Kanzlerschaft Angela Merkels herbeigesehnt – doch jetzt, da er sein Ziel erreicht hat, fühlt sich das Leben von Thorsten Kellner aus Gotha plötzlich kalt, einsam und leer an.

"'Merkel muss weg! Merkel muss weg!', das habe ich bei so vielen Demos gerufen, habe es in so vielen Facebook-Chats gefordert, habe sogar Aufkleber mit diesem Spruch verteilt", sinniert Kellner. "Ich dachte immer, es wird ein riesiger Glücksmoment für mich, wenn sich mein größter Wunsch endlich erfüllt!"

Stattdessen wirkt er nun apathisch, niedergeschlagen. "Was soll ich denn jetzt posten? 'Scholz muss weg'? Das fühlt sich einfach nicht gleich an", seufzt er. "Und außerdem ist der doch gerade erst gekommen. Ich hasse den gar noch nicht richtig."

Er scrollt durch alte Facebook- und Telegram-Chats. "Hier, sehen Sie, Ferkel hab ich sie auch immer genannt. Oder Murksel. Genial, oder?" Erst jetzt merkt er, dass ihn mit seinen Online-Freunden außer dem gemeinsamen Hass auf Merkel nichts verbindet.

Eine Träne läuft ihm über die Wange. "Ich weiß nicht, ob ich jemals wieder in meinem Leben so ein Glück spüren werde wie in den Merkeljahren. Wenn ich könnte, würde ich sie sofort wieder ins Amt wählen. Also, wenn Sie mich fragen: Merkel muss wieder her! Merkel muss wieder her!"

ssi, dan; Foto: Shutterstock

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