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Montag, 4. April 2022

Von der russischen Regierung lernen: So reden Sie sich aus allem heraus, egal, was Sie verbrochen haben

Es ist schlimm: Kaum hat man etwas verbrochen, geht es direkt los mit unangenehmen Beschuldigungen, Strafprozessen, gesellschaftlicher Ächtung. Doch das muss nicht sein! Der Postillon hat die Strategie analysiert, mit der die russische Regierung seit Jahren straflos allen Konsequenzen entgeht. Egal, was Sie verbrochen haben – nutzen Sie diese 10 einfachen Schritte, um sich herauszureden (WICHTIG: Sie müssen stets alle 10 Schritte gleichzeitig nutzen, auch wenn sie sich gegenseitig widersprechen):



1. Streiten Sie sofort ab, es gewesen zu sein.

Vermeiden Sie von der ersten Sekunde jede Form von Zweifel. Streiten Sie die Tat am besten schon ab, bevor sie Ihnen überhaupt vorgeworfen wurde.

Beispiele:

"Nein. Ich war das nicht, der mein Auto vor Ihrer Einfahrt geparkt hat."

"Nein, ich habe doch meine Schwiegermutter nicht ermordet."

"Nein, ich habe das letzte Stück Kuchen nicht gegessen."


2. Behaupten Sie, der Ankläger habe es selbst gemacht.

Dieser simple Trick wird besonders Ihre Fans und Freunde begeistern: Drehen Sie einfach den Spieß um. Sollen doch die Beschuldiger oder Opfer mal sehen, wie es ist, etwas abstreiten zu müssen!

Beispiele:

"Lieber Herr Nachbar, Sie müssen mein Auto selbst vor Ihre Einfahrt gestellt haben."

"Meine Schwiegermutter muss sich selbst ermordet haben."

"Du hast das letzte Stück Kuchen doch selbst gegessen!"


3. Behaupten Sie, alle Zeugen seien bezahlte Lügner.

Lügnern glaubt niemand. Es wäre also höchst praktisch für Sie, wenn es sich bei allen Zeugen Ihrer vermeintlichen Verbrechen um bezahlte Lügner handeln würde. Behaupten Sie es einfach und schauen Sie, was passiert.

Beispiele:

"Die vielen Nachbarn und Passanten sowie der Verkehrspolizist, die mich angeblich allesamt beim Zuparken gesehen haben, sind bezahlt, das zu behaupten."

"Mein Schwiegervater wurde bestochen."

"Die auf den Kuchen gerichtete Überwachungskamera hat wertvolle Microchips dafür erhalten, um mich als vermeintlichen Täter aufzuzeichnen."


4. Behaupten Sie, alle Beweise seien gefälscht.

Sie haben Spuren hinterlassen, die Sie eindeutig als Täter identifizieren? Das muss nicht das Ende sein, denn heutzutage lässt sich schließlich alles fälschen.

Beispiele:

"Das Foto, das mich beim Parken vor Ihrer Einfahrt zeigt, wurde mit Photoshop bearbeitet. Sehen Sie da diesen einen Fleck? Der beweist es."

"Die vermeintliche Tatwaffe in meiner Hand ist lediglich mit Ketchup besudelt."

"Meine Fingerabdrücke wurden von Dritten auf dem Kuchenblech platziert."


5. Behaupten Sie, der ganze Vorfall sei ohnehin überhaupt nicht passiert.

Wenn etwas gar nicht erst geschehen ist, können Sie es auch nicht verbrochen haben – ganz einfach!

Beispiele:

"Mein Auto steht überhaupt nicht vor Ihrer Einfahrt."

"Meine Schwiegermutter wurde überhaupt nicht ermordet."

"Das letzte Stück Kuchen ist noch da."


6. Behaupten Sie, Sie hätten überhaupt keinen Vorteil aus der Tat.

Cui bono? Nicht Ihr bono, so viel ist klar! Wer etwas nachdenkt, muss doch erkennen, dass sämtliche Untaten, die Ihnen vorgeworfen werden, Ihnen selbst überhaupt nichts bringen – selbst, wenn es danach aussieht.

Beispiele:

"Warum sollte ich ausgerechnet Ihre Einfahrt zuparken? Ich hätte das Auto ja genausogut vor jeder anderen Einfahrt parken können."

"Warum sollte ich der alten Schreckschraube, die immer behauptet hat, ich sei ein Versager, nach dem Leben trachten?"

"Wer mag schon Kuchen? Niemand mag Kuchen. Warum sollte ich ihn also essen?"


7. Behaupten Sie, das Opfer sei ein Schauspieler.

Die simulieren doch alle nur! Und zwar professionell. Anders ist das alles nicht zu erklären.

Beispiele:

"Tolle Einfahrt-Attrappe haben Sie da. Und sind Sie überhaupt mein Nachbar oder werden Sie vom britischen Geheimdienst bezahlt?"

"Meine echte Schwiegermutter sah ganz anders aus!"

"Die herumliegenden Krümel sind Krisenschauspieler."


8. Behaupten Sie, Ihr Opfer habe es ohnehin verdient.

Sie sollen hier der Böse sein? Stimmt doch gar nicht, es war genau andersherum! Sie haben nur für Gerechtigkeit gesorgt und sonst gar nix!

Beispiele:

"Sie wären sonst mit dem Auto herumgefahren und hätten dadurch zum Klimawandel beigetragen. Ich habe uns alle gerettet."

"Meine Schwiegermutter hatte vor, den Präsidenten zu erschießen."

"In dem Kuchen war Schokolade. Hätte ein Hund ihn gefressen, hätte das böse ausgehen können."


9. Verweisen Sie darauf, dass die USA in der Vergangenheit noch viel Schlimmeres angestellt haben.

Selbst in unsicheren Zeiten kann man sich auf eines verlassen: Die USA haben garantiert mindestens genau so große Scheiße gebaut wie Sie. Versäumen Sie es nicht, darauf hinzuweisen.

Beispiele:

"Freuen Sie sich doch, dass es nur um Ihre Einfahrt geht! Die USA blockieren seit Jahrzehnten eine ganze Insel! Fragen Sie mal einen Kubaner."

"Schwiegermutter tot? Na und! Was ist mit den Foltergefängnissen im Irak?"

"Und wenn schon. Dann hab ich eben ein Stück Kuchen weggegessen. Den Indianern haben die Amis das ganze Land weggenommen! Aber darüber empört sich keiner."


10. Erfinden Sie weitere komplett verrückte Alternativszenarien.

Toben Sie sich aus! Seien Sie kreativ! Sie haben nichts zu verlieren.

Beispiele:

"Aliens haben das Fahrzeug per Traktorstrahl angehoben und vor die Einfahrt gestellt."

"Meine Schwiegermutter ist ganz offenbar einer seltenen Krankheit erlegen, deren Symptome aussehen wie Messerstiche."

"Der Kuchen wurde vom neuseeländischen Geheimdienst entwendet und mir dann im Schlaf direkt in den Magen einoperiert."


Haben Sie alle 10 Strategien angewendet? Dann dürften Sie genügend Zweifel und Verwirrung gesät haben, um mit Ihrem Verbrechen durchzukommen. Gratulation! Sie haben die "Russische Verteidigung" gemeistert.

ssi, dan; Foto: Shutterstock
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