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Dienstag, 20. August 2019

"Schaffner können uns in Tarnkleidung sowieso nicht sehen" – Soldaten fahren offenbar schon seit Jahrzehnten gratis Bahn

Berlin (dpo) - Wochenlang wurde darüber gestritten, ob und wie Bundeswehr-Soldaten gratis mit der Bahn fahren dürfen. Doch eine aktuelle Recherche des Postillon zeigt, dass man sich die ganze Debatte wohl hätte sparen können. Denn offenbar fahren Soldaten bereits seit Jahrzehnten gratis in Zügen der Deutschen Bahn und anderen Verkehrsmitteln mit – heimlich und illegal.

Ein Bundeswehrsoldat, der anonym bleiben will, berichtet. "Schaffner und andere Fahrgäste können uns in Tarnkleidung nicht sehen", so der 24-jährige Zeitsoldat. "Wir verschmelzen optisch einfach mit dem Sitz und sind damit unsichtbar. Auf die Art haben ich und meine Kameraden in den letzten Jahrzehnten praktisch jede einzelne Fahrt erschlichen."
Dem Whistleblower zufolge weiß die Bundeswehr-Führung Bescheid und toleriert die Praxis stillschweigend. "Ob auch das Verteidigungsministerium Kenntnis darüber besitzt, weiß ich nicht. Die geplanten vier Millionen Euro pro Jahr an die Bahn hätte man sich jedenfalls sparen können."
Gegenüber dem Postillon erklärt der Soldat im Detail, wie sich Bundeswehrangehörige Millionen Fahrten ergaunerten: "Man steigt einfach im Tarnfleck und mit Tarnschminke in den Zug und setzt sich auf einen freien Sitz, wo man regungslos bis zum Zielort verharrt." Diese Technik funktioniere "zu 100 Prozent".
Einziges Problem: Oft setzen sich andere Fahrgäste nichtsahnend auf getarnte Soldaten. In so einem Fall gelte es, sich absolut nicht zu bewegen. "Selbst wenn der Fahrgast unter Blähungen leidet. Man muss eins werden mit dem Sitz. Denken wie der Sitz. Der Sitz sein", erklärt der anonyme Soldat. "Ist man gerade besetzt, wenn man selbst den Zug verlassen will, dann zwickt man den Fahrgast in den Hintern und steigt unauffällig aus, nachdem er vor Schreck aufgesprungen ist."
Dass es in der Debatte um die Gratisfahrten immer wieder um die Sichtbarkeit der Bundeswehr in der Öffentlichkeit geht, ist aus seiner Sicht blanker Hohn. Er geht nämlich davon aus, dass viele Kameraden auch in Zukunft gut getarnt und ohne Ticket unterwegs sein werden. "Wozu sich mühsam auf einem Portal eine Fahrkahrte holen, wenn man auch ganz unbürokratisch schwarzfahren kann?"
tla, ssi, dan; Foto: Shutterstock
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